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"Ein böser Tag mit blauem Auge. Unfälle am Blindschacht"

Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok)/Bergbau-Archiv Bochum

Halt!“ – „Ist das vorschriftsmäßig?“ – Natürlich nicht. In barschem Ton weist ein Steiger Bergleute in einem Steinkohlenbergwerk zurecht und klärt sie über die Sicherheitsvorschriften und die möglichen, oft gravierenden Folgen ihres Fehlverhaltens auf.

Filmografische Angaben

Auftraggeber: Knappschaftsberufsgenossenschaft, Sektion 2, Bochum
Produktion: Universum-Film AG, Berlin
Regie: Hermann Boehlen
Buch: Paul Engelmann
Sprecher und Darsteller: Heinz Wemper
Kamera: Erich Menzel
Uraufführung: 16. Februar 1936 in Berlin, Ufa-Palast am Kurfürstendamm
Produktionsjahr: 1935 (Zensurdatum)
Laufzeit: 15 Min.
Format: 16-mm-Lichtton, Schwarz-Weiß

3er Raster grau

Gefahren des Bergmannsberufs

Dunkelheit, Enge, Staub, Hitze und vor allem die ständige Gefährdung durch die Urgewalten des Berges kennzeichnen bis heute die Vorstellungen von der Arbeitswelt des Bergmanns unter Tage. Der Beruf galt – lange Zeit zu Recht – als besonders risikoreich. Vor allem die großen Grubenunglücke mit nicht selten hunderten Toten und Verletzten erregten das öffentliche Interesse.

Daneben forderten beinahe alltägliche Arbeitsunfälle und die hohen physischen Belastungen unzählige Opfer. Bei den Bemühungen um einen präventiven Arbeitsschutz erlangte seit den 1920er-Jahren zunehmend eine systematische Sicherheitswerbung Bedeutung, die die Bergleute aufklären und sie zu richtigem Verhalten anleiten sollte.

Arbeitsschutzfilme des Bergbaus

In seinen Kampagnen setzte der Bergbau seit Mitte der 1930er-Jahre verstärkt auch auf das Medium Film. „Ein böser Tag mit blauem Auge“ steht beispielhaft für eine ganze Reihe von Arbeitsschutzfilmen, die meist im Auftrag der Sektion 2 der Bochumer Knappschaftsberufsgenossenschaft von der Universum-Film AG (Ufa) hergestellt worden sind. Daneben drehte die Kinematographische Abteilung der Fried. Krupp AG einige Arbeitsschutzfilme für den Bergbau.

"Grubenmilitarismus"

In Form und Duktus ähneln sich diese Filme weitgehend. Sie spiegeln nicht zuletzt den autoritären Zeitgeist wider, und gerade der Bergbau war berüchtigt für seine autoritären Umgangsformen und Betriebshierarchien. Auch „Ein böser Tag mit blauem Auge“ lässt den damaligen „Grubenmilitarismus“ erahnen. Die einfachen Bergleute handeln unbedacht und setzen sich aus Leichtsinn und Bequemlichkeit über die Sicherheitsvorschriften der Werksleitung hinweg.

Die Komplexität des Bergbaubetriebs vermag nur der vorgesetzte Steiger zu durchschauen. Er erteilt barsch seine Anweisungen und hebt sich klar von den Bergleuten ab. Im Film wurde er allerdings durch einen professionellen Schauspieler verkörpert: Der in Hattingen geborene Heinz Wemper (1903–1985) galt als einer der wichtigsten Darsteller des frühen deutschen Tonfilms.

Dr. Stefan Przigoda
Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok)
Bergbau-Archiv Bochum beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum
stefan.przigoda@bergbaumuseum.de
+49 234 5877-118
Am Bergbaumuseum 28, 44791 Bochum