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"Das Dach von Marl"

Evonik Industries AG, Konzernarchiv, Marl

Was haben Chemie und Kunststoffe mit Städtebau und Stadtentwicklung zu tun? „Das Dach von Marl“ zeigt dies.

Seit 1973 überspannt es eines der größten innerstädtischen Einkaufszentren in Nordrhein-Westfalen.

Filmografische Angaben

Auftraggeber: Enka Glanzstoff AG, Wuppertal, und Chemische Werke Hüls AG, Marl
Produktion: Fritz G. Münz, Frankfurt a. M.
Produktionsjahr: 1973
Laufzeit: 13 Min.
Format: 8 mm, Ton, Farbe

3er Raster grau

Das Dach von Marl

Der Film zeigt die Planung und Errichtung des Marler Sterns, der 1973 eröffneten Einkaufspassage im Zentrum der Stadt sowie die Kunststoffherstellung bei der Chemische Werke Hüls AG. Der Marler Stern wird von einem riesigen Luftkissendach überspannt, das nicht nur das erste seiner Art über einem Einkaufszentrum war, sondern bis heute als größte Luftkissenkonstruktion der Welt im Guinness-Buch der Rekorde vermerkt ist.

Die 185 Meter lange und 30 Meter breite Bedachung wird durch ein dauerlaufendes Gebläse in Form gehalten. Die sechs Segmente des Luftkissens mit insgesamt 5.400 m² Oberfläche bestehen aus einem mit VESTOLIT-Paste bestrichen Garn, die die Wetterdichtigkeit des Daches sicherstellen soll. Das Dach ist nicht selbstbrennend und kann auch die heute geltenden Feuerschutzvorschriften einhalten.

VESTOLIT

VESTOLIT wurde 1949 von der damaligen Chemische Werke Hüls GmbH entwickelt. Das vielfältig einsetzbare PVC wurde zu einem der erfolgreichsten Nachkriegsprodukte und sicherte den Aufstieg der Firma zum Massenproduzenten von Kunststoffen. Hüls verkaufte die Marke VESTOLIT zwar im Jahre 1999, sie wird jedoch bis heute im Chemiepark Marl der Evonik Industries AG hergestellt.

Die Enka Glanzstoff AG war ein Nachfolgeunternehmen der 1899 gegründeten Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG und der bedeutendste deutsche Hersteller von Kunstseide. Der erste Sitz des Unternehmens war Aachen, 1901 zog das Unternehmen nach Wuppertal.

Kunststoff und Städtebau

„Das Dach von Marl“ ist mehr als eine der üblichen filmischen Produktbewerbungen und Darstellungen technisch-industriellen Leistungsvermögens. Als Dokument seiner Zeit lässt der Film auch den damaligen Zukunftsoptimismus von Politikern, Architekten und Planern in der aufstrebenden Industriestadt Marl erahnen. Mit dem Neubau von Einkaufszentrum, Rathaus, mehreren Wohnhochhäusern, Schulen sowie dem Stadtpark sollte ein neuer und moderner Stadtkern entstehen.

Marl ist zuweilen als „Stadt ohne Zentrum“ bezeichnet worden – das sollte sich in Erwartung des Anwachsens zu einer Großstadt ändern. Dabei sah man sich mit der von Hans Scharoun entworfenen Schule im damaligen Neubaugebiet Drewer, den Rathaustürmen, den Hügelhäusern und nun auch mit dem „Marler Stern“ durchaus als Avantgarde städtebaulicher Entwicklung.

Vladimir Marek M. A.
Evonik Industries
AG Konzernarchiv Marl
vladimir.marek@evonik.com
+49 2365 49-6245
Paul-Baumann-Straße 1, 45772 Marl