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"Die eiskalten Affären des Adam G."

Historisches Konzernarchiv RWE

Gibt es etwas uncooleres als das Thema Raumheizung?

Vor knapp 50 Jahren gelang dem Industriefilmer Herbert Meyer-Franck das Kunststück, die elektrische Speicherheizung als Teil eines modernen Lebensstils zu verkaufen.

Der Düsseldorfer Filmemacher und Regisseur bescherte uns einen kurzweiligen Film, der noch heute mit seinem poppigen Siebziger-Jahre-Charme begeistert.

Filmografische Angaben

Auftraggeber: Allgemeine Electricitätsgesellschaft (AEG), Frankfurt am Main
Produktion: Franck-Filmproduction
Regie: Herbert Meyer-Franck
Kamera: Horst Nagel
Darsteller: Brigitte Hartmann, Ted Henner und Alfons Höckmann
Produktionsjahr: 1970
Laufzeit: 17 Min.
Format: 16-mm-Lichtton, Farbe

3er Raster grau

Kampf um den privaten Wärmemarkt

In den 1960er-Jahren begannen Öl und Erdgas auf breiter Front, die als unpraktisch und dreckig empfundene Kohle als Heizenergie aus den Privathaushalten zu verdrängen. Auch für die Elektrizitätswirtschaft war dieser Markt sehr reizvoll. Die Elektrospeicherheizung verhieß nicht nur eine Steigerung des Stromabsatzes. Sie versprach Dank der nächtlichen Ladezeiten eine bessere Auslastung der Kraftwerke.

Dementsprechend warben Elektrizitätswirtschaft und Elektroindustrie seit Mitte der 1960er-Jahre verstärkt für die Speicherheizung. Doch die dafür produzierten Filme waren eher bieder und langweilig. Herbert Meyer-Franck setzte mit „Die eiskalten Affären des Adam G.“ einen erfrischenden Kontrapunkt.

Nachtspeicher fördern den zwischenmenschlichen Kontakt

Sein besonderer Kniff: Er verpackt die unvermeidliche Darstellung von Prinzip, Funktionsweise und Vorteilen der elektrischen Speicherheizung mit einer humorvollen Rahmenhandlung, die ganz vom Geist der frühen 1970er-Jahre geprägt ist: Der Annäherungsversuch des jungen, flotten „Adam“ an seine „Eva“ scheitert kurz vor dem Ziel an dem explodierenden Holzofen seiner Junggesellenbude. Um nicht noch einmal eine solche Enttäuschung zu erleben, sucht „Adam“ eine AEG-Beratungsstelle auf und erfährt dort viel über die Vorteile einer elektrischen Speicherheizung.

„Man heizt nicht mehr, man hat es warm“, so die Erkenntnis. Restlos überzeugt, modernisiert „Adam“ seine Wohnung umfassend mit elektrischer Heizung und einer elektrischen Steuerzentrale für gedämpftes Licht und Musik am Bett und lädt seine „Eva“ zum erneuten Stelldichein. Doch das wird aus unterschiedlichen Gründen wieder zum Reinfall.

Lebensgefühl einer jungen Generation

Heute ist die Nachtspeicherheizung ein Auslaufmodell. Der Film ist dagegen bis heute sehenswert, versucht er doch das Lebensgefühl einer befreiten und offenen jungen Generation zu spiegeln. Und das nicht nur mit reichlich eingesetzter zeitgenössischer Mode und Musik. Vielmehr würzen weibliche Reize und Doppeldeutigkeiten das Bild einer schönen, elektrisch beheizten privaten Welt – und machen sogar Nachtspeicher sexy.

Hans-Georg Thomas
RWE AG
Historisches Konzernarchiv RWE
hans-georg.thomas@rwe.com
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