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"1. Jugendverbandstag der Industriegewerkschaft Bergbau in Bochum"

Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets, Bochum

Der 1. Jugendverbandstag der Industriegewerkschaft Bergbau (IGB) im Jahr 1950 ging auch als „Bundesjugendtagskrawall“ in die Annalen ein.

Aber nicht nur deshalb ist der Film ein bemerkenswertes Zeitdokument.

Er zeigt auch, wie sehr das Bochumer Stadtbild damals noch von den Folgen des Zweiten Weltkriegs gezeichnet war.

Filmografische Angaben

Auftraggeber: Industriegewerkschaft Bergbau
Produktionsjahr: 1950
Laufzeit: 17 Min. (Fragment)
Format: 16 mm, Schwarz-Weiß, Stumm

3er Raster grau

„Bundesjugendtagskrawall“ 1950

Im Jahr 1950 fand der 1. Jugendverbandstag der IGB in Bochum statt. Teil dieser Veranstaltung war eine Kundgebung auf dem Husemannplatz in Bochum, zu der Bundespräsident Theodor Heuss als Redner gewonnen wurde. Neben den jugendlichen Bergarbeitern der IGB hatte aber auch die Freie Deutsche Jugend (FDJ), der kommunistische Jugendverband in der DDR, Jugendliche aus dem Ruhrgebiet und aus Ostdeutschland nach Bochum beordert, die die Kundgebung stören sollten. Das Ereignis ging damals als „Bundesjugendtagskrawall“ durch die Presse.

Inhalt

Inhaltlich ist der Film dreigeteilt. Der erste Teil zeigt durch die Jugendlichen selbst gestaltete Themenwagen zum Berufsbild des Bergmanns, die während eines Umzugs vor dem Bergbau-Museum, dem heutigen Deutschen Bergbau-Museum Bochum, entlangfahren. Im zweiten Teil sind Redner in der Kongresshalle zu sehen. Der dritte Teil widmet sich der Kundgebung in Bochum. Allerdings sind die „Krawalle“ herausgeschnitten worden.

Es lassen sich jedoch an einigen Stellen die Ereignisse noch erahnen, etwa wenn ein Polizist mit Tschako, der charakteristischen Kopfbedeckung der Polizisten, einen Jugendlichen schubst. Auch nicht mehr Teil des Films ist das Entrollen eines Banners mit dem Spruch „Butter statt Kanonen“ auf dem Dach. Es gibt aber einen Moment, in dem alle Personen auf der Rednertribüne, der Bundespräsident eingeschlossen, nach oben schauen. Neben diesen Ereignissen sind auch die Bilder des vom Bombenkrieg zerstörten Bochum beindruckend.

Entstehung des Films

Die genauen Hintergründe zur Produktion lassen sich nicht im Detail rekonstruieren. Die IGB hat bereits früh nach ihrer Neugründung versucht, das Medium Film für sich zu nutzen und eine Reihe von Berichten über Kongresse und Verbandstage in Auftrag gegeben. Ästhetisch sind diese üblicherweise einem zeitgenössischen Wochenschaustil verpflichtet. Es lässt sich nur mutmaßen, dass der Film zum 1. Jugendverbandstag nicht beendet wurde, weil man die Störungen während der Rede des Bundespräsidenten nicht dokumentieren wollte.

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