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"Kleinigkeiten? Ein Film aus dem Braunkohlebergbau"

Historisches Konzernarchiv RWE

Ursprünglich als klassischer Arbeitsschutzfilm produziert, bietet „Kleinigkeiten?“ noch heute ungeschminkte Einblicke in die Arbeit im rheinischen Braunkohlenbergbau vor gut 60 Jahren.

Der rheinische Braunkohlenbergbau boomte in den 1950er-Jahren, nicht zuletzt wegen des rasant steigenden Kohlebedarfs der benachbarten RWE-Kraftwerke. Die überproportional steigenden Unfallzahlen veranlassten die Bezirksstelle Bonn der Bergbau-Berufsgenossenschaft diesen Arbeitsschutzfilm speziell für den Braunkohlenbergbau in Auftrag zu geben.

Filmografische Angaben

Auftraggeber:
Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bonn
Produktion: Jura-Film, München
Regie: Freimut Kalden
Produktionsjahr: 1958
Laufzeit: 18 Min.
Format: 16-mm-Lichtton, Schwarz-Weiß

3er Raster grau

Rundgang verdeutlicht die vielen Nachlässigkeiten

Um möglichst große Teile der Beschäftigten zu erreichen, bediente sich Regisseur Freimut Kalden bei „Kleinigkeiten?“ einer Rahmenhandlung, in die sich Beispiele und Botschaften gut einbetten ließen: Unter dem Eindruck der jüngsten Unfallzahlen bittet der Direktor eines Braunkohlentagebaus einen Vertreter der Bergbau-Berufsgenossenschaft um Rat. Auf einem Rundgang durch die Betriebe entdecken die beiden an den Arbeitsplätzen in der Werkstatt, bei der Werksbahn, im Abbau, beim Verkippen und in der Brikettfabrik viele Nachlässigkeiten der Beschäftigten, die zu folgenschweren Unfällen führen können.

Die Palette des Fehlverhaltens reicht vom Schleifen ohne Schutzbrille über das ungesicherte Arbeiten an stromführenden Teilen bis zum Arbeiten ohne Schutzhelm. Am Ende muss der Tagebaudirektor einsehen, dass es auch in seinem Betrieb viele „Kleinigkeiten“ gibt, die die Unfallzahlen in die Höhe treiben.

Realistischer Einblick in die Arbeitswelt

Sehenswert ist dieser Arbeitsschutzfilm bis heute durch seine Einblicke in die Arbeitswelt des Braunkohlenbergbaus Ende der 1950er-Jahre. Anders als in den auf Hochglanz getrimmten Repräsentationsfilmen der Branche zeigt „Kleinigkeiten?“ auch die unansehnlichen Ecken des Tagebaus und die vielfältigen Gefahren des damals noch regen Eisenbahnbetriebs. Hier steht der Mitarbeiter und seine Arbeit im Fokus, nicht die großen Maschinen und der technisch ausgeklügelte Betrieb des Systems Braunkohle.

Braunkohlenbergbau vor Schaufelradbagger und Förderband

Interessant ist der Film auch, weil er noch das seit den 1920er-Jahren vorherrschende Fördersystem mit Schrämm- und Eimerkettenbagger sowie Zugförderung mit Großraumwagen zeigt. Eindrucksvoll sind bis heute die immer wieder einmontierten Aufnahmen von der Industrielandschaft westlich von Hürth mit dem ausgedehnten Tagebau Vereinigte Ville und dem benachbarten Knapsacker Industriehügel.

Hans-Georg Thomas
RWE AG
Historisches Konzernarchiv RWE
hans-georg.thomas@rwe.com
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