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Vom Erz zur Druckplatte – Das „Kräussl-Verfahren“

LVR-Industriemuseum, Oberhausen

Produkte wie Zinkplatten für die Druckindustrie sind eher was für Spezialisten und die Fachöffentlichkeit.

Diese wird auch der Adressat für einen Imagefilm gewesen sein, den die Firma W. Kräussl & Co mbH vermutlich zwischen 1947 und 1949 produzieren ließ.

Heute gibt er einen seltenen Einblick in ein wenig bekanntes, zu seiner Zeit aber höchst innovatives Verfahren zur Herstellung von geätzten Druckblechen und Klischees für den Offset-Druck.

Filmografische Angaben

Auftraggeber: W. Kräussl & Co. mbH,
Oberhausen / Rheinland
Produktion: Georg Buhmann Graphischer Betrieb Heidelberg
Produktionsjahr: zwischen 1947 und 1949
Laufzeit: 16 Min.
Format: 8-mm-Schmalfilm, Schwarz-Weiß Stumm mit Zwischentiteln

3er Raster grau

Druckbleche aus Zink

Wilhelm Kräussl entwickelte in den 1930er-Jahren eine Methode zur Oberflächenbehandlung von Zinkblechen für das Druckereigewerbe. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er zusammen mit der Aktiengesellschaft des Altenbergs für Bergbau und Zinkhüttenbetrieb in Oberhausen eine Firma, die W. Kräussl & Co mbH, um sein Verfahren für die Produktion von Druckblechen serienreif zu machen. Zink Altenberg hielt dabei 51 Prozent der Anteile, Kräussl die übrigen 49 Prozent. Auf dem Oberhausener Werksgelände bezog die Firma Kräussl ein eigenes Produktionsgebäude.

Vom Rohzink zur Druckplatte

Der Film entführt den Betrachter zunächst nach Essen, wo die Aktiengesellschaft des Altenbergs seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Zinkhütte unterhielt, in der Rohzink nach hüttenmännischem Verfahren in der liegenden Muffel erzeugt wurde. Die einzelnen Bildsequenzen, die durch Zwischentitel erläutert werden, dokumentieren ausführlich die Arbeitsprozesse in der Zinkhütte.

Schauplatzwechsel: In Oberhausen verfolgt die Kamera die Herstellung von Zinkätzplatten und Offsetdruckplatten im dortigen Walzwerk und widmet sich dem Kräussl-Verfahren selbst.

Schließung des Standorts

Bis in die 1980er-Jahre gehörten Druckplatten zu den erfolgreichsten Produkten der Aktiengesellschaft des Altenbergs. Auch nachdem die beiden Standorte von Altenberg 1981 an den Essener Stadthafen verlegt worden waren, setzte das Unternehmen die Herstellung von Druckblechen fort. In den 1990er-Jahren kam das endgültige Aus, als das inzwischen als Altenberg Metallwerke firmierende Mutterunternehmen die Produktion einstellte.

Michael Gaigalat
LVR-Industriemuseum
michael.gaigalat@lvr.de
+49 208 8579-132
Hansastraße 20, 46049 Oberhausen