Pressemitteilung

Kulturkonferenz Ruhr 2026: Wie Kunst und Kultur Nachbarschaften stärken

Rund 400 Teilnehmende, zwei kluge Denkanstöße in Form von Keynotes, eine engagierte Gesprächsrunde und fünf Foren, in denen theoretische Fragestellungen in die Praxis überführt wurden.

„Kultur schafft Orte und Werte, die Menschen verbinden und Gemeinschaft fördern.“ Mit diesem Satz beendete Journalistin, Autorin und Ärztin Gilda Sahebi Ihren Impulsvortrag bei der 14. Kulturkonferenz Ruhr im ChorForum Essen. Gemeinschaft fördern, Verbinden statt Spalten ist das Leitthema der diesjährigen Veranstaltung unter dem Titel „Community Building – Kultur als Katalysator urbaner Nachbarschaft“ mit Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Kreativwirtschaft sowie Stadt- und Raumplanung zusammen.

Im Mittelpunkt der diesjährigen „Familientreffens“ standen Nachbarschaften als Orte des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Dazu Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen: Unsere Gesellschaft wandelt sich und ist vielfältiger geworden. Technisch waren wir noch nie so gut vernetzt wie heute. Gleichzeitig erleben wir neue Formen der Einsamkeit, Polarisierung und Spaltung, die von den technischen Möglichkeiten etwa von Social-Media-Plattformen eher befeuert werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass Kunst und Kultur für den Zusammenhalt der Menschen eine entscheidende Rolle spielen. Deshalb sind wir umso dringender auf die verbindende Kraft von Kunst und Kultur als Ausdruck und Ressource unserer Freiheit, unseres Zusammenlebens und unserer Demokratie angewiesen.“ 

 

Das Ruhrgebiet als Labor für Nachbarschaft

„Das Ruhrgebiet ist eine Region vieler Zentren, Stadtteile und lokalen Identitäten. Gerade diese dezentrale Struktur ist seine Stärke. Wenn Kultur dort stattfindet, wo Menschen leben, entstehen Begegnungen, Beziehungen und neue Formen des Miteinanders. Die Kulturkonferenz zeigt, wie Kultur zur sozialen Infrastruktur unserer Städte beitragen kann“, betont RVR-Regionaldirektor Garrelt Duin

Damit bietet die Region ein besonderes Experimentierfeld für eine nachbarschaftsorientierte Stadtentwicklung. Konzepte wie die „15-Minuten-Stadt“ setzen auf wohnortnahe Versorgung, soziale Infrastruktur, kurze Wege und lebendige lokale Zentren. Im Ruhrgebiet lässt sich diese Perspektive unter besonderen räumlichen Bedingungen weiterdenken: durch die Stärkung lokaler Knotenpunkte und die Verbindung von Kultur, sozialer Infrastruktur und Stadtentwicklung.

 

Was bleibt von der Manifesta 16 Ruhr?

Ein zentraler Bezugspunkt der Konferenz war die Manifesta 16 Ruhr. Mit dem kuratorischen Ansatz, leerstehende Kirchen als offene Nachbarschaftsräume zu aktivieren, rückt die europäische Wanderbiennale Orte in den Mittelpunkt, die vielerorts ihre ursprüngliche Funktion verloren haben, zugleich aber weiterhin identitätsstiftend für die Menschen vor Ort sind.

 

Impulse, Diskussionen und Workshops

Den Auftakt der Konferenz bildete der Impuls „Verbinden statt Spalten: Sozialer Zusammenhalt in Zeiten der Polarisierung“ der Journalistin, Autorin und Ärztin Gilda Sahebi. Sie beschäftigt sich mit der Frage, warum Polarisierung eine Gefahr für die Demokratie darstellt, welche verbindenden Narrative dem gesellschaftlichen Auseinanderdriften entgegengesetzt werden können und welche Rolle Kulturräume dabei spielen.

Anschließend sprach Prof. Dr. Barbara Welzel, Professorin für Kunstgeschichte und Kulturelle Bildung an der TU Dortmund, über das Potenzial von Kirchenbauten als „Resonanzräume einer demokratischen Gesellschaft“. Ausgehend vom Thema „This is not a church“ der Manifesta 16 Ruhr geht es um die Frage, wie Kirchen auch nach dem Ende ihrer sakralen Nutzung als Orte der Begegnung, Reflexion und gesellschaftlichen Verständigung wirken können.

Eine Paneldiskussion widmete sich anschließend der Legacy der Manifesta 16 Ruhr für urbane Nachbarschaften. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kultur, Politik, Kirche, Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft wurde diskutiert, welche nachhaltigen Betriebs- und Steuerungsmodelle für kulturelle Nachbarschaftsräume denkbar sind.

Literarische und musikalische Beiträge ergänzten das Programm. Esra Canpalat liest aus ihrer im Auftrag von Interkultur Ruhr entstandenen Kolumne „Vom Rande aus“. Julienne De Muirier, Förderpreisträgerin des Literaturpreises Ruhr, präsentierte ihre Erzählung „Nachtfahrt“. Die musikalische Begleitung übernahm Lukas Hermann mit Kompositionen und improvisatorischen Performances auf modularen Synthesizern.

 

Kultur als Teil einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung

Die Kulturkonferenz Ruhr versteht Kultur dabei ausdrücklich als Teil einer integrierten Stadt- und Regionalentwicklung. Im Zentrum stehen Fragen nach Teilhabe, langfristiger Finanzierung, Flächensicherung und neuen Kooperationen zwischen Kultur, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, sozialen Trägern und Zivilgesellschaft.

„Wenn wir über die Zukunft unserer Städte und Quartiere sprechen, müssen wir auch über die Orte sprechen, an denen gesellschaftliches Leben stattfindet. Kulturelle Räume können solche Orte sein. Dafür brauchen wir langfristige Perspektiven und starke Partnerschaften zwischen Kommunen, Kultur, Zivilgesellschaft und weiteren Akteuren“, so Garrelt Duin.

Zum Abschluss wurden die Ergebnisse und Perspektiven der Konferenz gemeinsam mit dem Publikum zusammengeführt. Die partizipative Gestaltung des Ausblicks übernahm das theaterpädagogische Duo BY PROXY.

Die Kulturkonferenz Ruhr ist eine gemeinsame Veranstaltung des Regionalverbandes Ruhr (RVR) und des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW).

Sie ist Teil der Nachhaltigkeitsvereinbarung zur Kulturhauptstadt RUHR.2010. Die Veranstaltung hat das Ziel, die seit 2010 entstandenen Netzwerke, regionalen Partnerschaften und Kooperationen zu fördern und weiterzuentwickeln.

 

Weitere Informationen und das diesjährige Programm im Netz unter: http.//www.kulturkonferenz.rvr.ruhr

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Jens Hapke

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Pressesprecherin

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