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Die Zukunft im Blick - Ruhrgebietsfotografien aus dem Bildarchiv des Regionalverbands Ruhr im Peter-Behrens-Bau

Zum 100-jährigen Bestehen des Regionalverbands Ruhr (RVR) zeigt das LVR-Industriemuseum im Peter-Behrens-Bau in Oberhausen ab dem 20. September 2020 erstmals und in großem Umfang Fotografien aus dem RVR-Fotoarchiv.

Die Foto-Ausstellung „Die Zukunft im Blick“ thematisiert 100 Jahre Planungs- und Verbandsgeschichte für das Ruhrgebiet. Beispiele zu den Themen Mobilität und Versorgung, Wohnen und Arbeiten sowie Kultur und Freizeit verdeutlichen die Veränderungsprozesse seit der Gründung des Siedlungsverbands Ruhrkohlenbezirk im Jahre 1920.

„Das in diesem Jahr anstehende Jubiläum bot die Chance, in einer gemeinsamen Kraftanstrengung von LVR und RVR die wissenschaftliche Erschließung des RVR-Bildarchivs, das das LVR-Industriemuseum seit knapp 20 Jahren als Depositum aufbewahrt, in Angriff zu nehmen. Unsere Verbände mobilisierten erhebliche Ressourcen für dieses Vorhaben, das rechtzeitig zum Jubiläum mit der Ausstellung „Zukunft im Blick zu einem ersten Abschluss gebracht wurde. Ein Ergebnis, auf das der LVR sehr stolz ist“, so Ulrike Lubek, Direktorin des Landschaftsverbands Rheinland.

Leben im Ruhrgebiet

Wie hat sich das Ruhrgebiet seit dem Gründungsjahr des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk, der später zum Kommunalverband Ruhr und schließlich zum Regionalverband Ruhr (RVR) wurde, verändert? Dieser Frage geht die Ausstellung nach. Seit seiner Gründung im Jahr 1920 als Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk entstanden zahlreiche Fotografien, die die Arbeit des Regionalverbands dokumentieren und das Ruhrgebiet als „Stadt der Städte“ mit seiner typischen urbanen Verdichtung zeigen. Über den Zeitraum von 100 Jahren spiegeln die Fotografien das Leben der Menschen wider – inmitten von Zechen, Stahlwerken, Bahndämmen und Schnellwegen, sowie im Grünen, in Parks und an und auf den Gewässern an Ruhr und Lippe. Zahlreiche Fotograf*innen, Profis wie Laien, drückten auf den Auslöser, um die damals für Ausstellungen, Verbandsbroschüren und Pressearbeit benötigten aktuellen Fotos zu erstellen. Bekannte Fotografen der Nachkriegszeit wie Karl Hugo Schmölz und Hans Grempel lieferten Aufnahmen aus der Zeit des Wiederaufbaus nach 1945. Lebensnahe Bilder vom „Ruhrpott“ zwischen Industrie und Strukturwandel steuerten Joachim Schumacher und Manfred Vollmer oder der – hier wiederentdeckte – Manfred Ehrich seit den 1970er Jahren bei.

Wandel einer Region

Die Fotos der Ausstellung sind Zeugnisse des stetigen Wandels der Region – und prägen unser heutiges Bild von dieser Zeit. Aufnahmen vom frühen Straßenbau in den 1920er Jahren und vom Ruhrschnellweg der Nachkriegszeit machen auf die sich rasant verändernden Verkehrsbedingungen aufmerksam. Die Bilder zeigen auch, dass vieles gleichzeitig nebeneinander bestand: Neben der gepflegten Ordnung neuer Wohnsiedlungen gab es gleichermaßen die „schlechten Wohnlagen“ mit Wohnzimmerblick auf Hochöfen und Schlote. Dokumentationen aus den 1950er Jahren von den Umweltschäden durch Bergbau und Industrieabgase sind geeignet, die damalige Forderung nach dem „blauen Himmel über der Ruhr“ noch heute nachzuvollziehen. Der allmähliche Ausbau von Grünflächen, die Begrünung alter Industriehalden und der Ausbau von Freizeitangeboten wie den neuen Baggerseen und den „Revierparks“ sind in zeitgenössischen Fotos festgehalten.

Über die Ausstellung

Der Ausstellungstitel spielt auf die 100-jährige Geschichte des Regionalverbands bei der Planung für das Ruhrgebiet an, die stets „die Zukunft im Blick“ hat. Die Schau bietet mit über 250 Fotografien in analoger und digitaler Form eine facettenreiche Auswahl aus dem umfangreichen Bestand des RVR-Bildarchivs. Sie verdeutlicht, dass viele Ruhrgebiets-Themen auch heute noch von ungebrochener Aktualität sind. Ein digitales Spieleangebot an eigens für die Ausstellung produzierten Medientischen ergänzt die Ausstellung.

Das RVR-Bildarchiv

„Gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland haben wir dem fotografischen Schatz der Region neuen Glanz verliehen und eine Vielzahl der historischen Fotos digitalisiert“, sagt Karola Geiß-Netthöfel, Direktorin des Regionalverbands Ruhr zur Ausstellungspräsentation. „Wir pflegen so auf innovative Art das Erbe des Verbands und machen viele Facetten unserer jahrzehntelangen Arbeit für die Region nachhaltig sichtbar. Die Digitalisierung hat die Ausstellung erst möglich gemacht, die wir nun im Jubiläumsjahr des RVR im LVR-Industriemuseum und im nächsten Jahr noch einmal im LWL-Museum auf Zollern in Dortmund zeigen können.“

Das RVR-Bildarchiv wird seit 1999 als Depositum im LVR-Industriemuseum aufbewahrt.

Rund 35.000 Bildträger sind in den vergangenen Jahren in einem Kooperationsprojekt zwischen dem Regionalverband Ruhr (RVR) und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) systematisch untersucht worden. Den Großteil des Bestandes machen originale Glasnegative und verglaste Dias aus, die aus der Zeit zwischen den 1920er Jahren und den 1950er Jahren stammen sowie Dias, Negative und Fotoabzüge aus den darauffolgenden Jahrzehnten bis zu den 1990er Jahren. Von den Originalvorlagen wurden für die Ausstellung über 160 Fotos hochwertig reproduziert, weitere 150 Aufnahmen sind in Diaprojektionen und digitalen Blätterbüchern zu sehen.

Motive

Das Motivspektrum der Fotos reicht von Schilderungen der Bauarbeiten an Verbands- und Bundesstraßen über Dokumentationen von Umweltbelastungen durch die Industrie und Begrünungsaktionen an Halden, Kanälen und in Naturschutzgebieten bis hin zum Wohnen und zur Freizeitgestaltung der Menschen im Ruhrgebiet. Deutlich wird, dass die Einzelthemen Wohnen, Mobilität, Industrie und Freizeit/Kultur im Ruhrgebiet kaum isoliert betrachtet werden können, sondern sich einander bedingt haben. Dies betrifft besonders die Umwandlung bzw. Neunutzung von Industriearealen in dem auf Bergbau- und Stahlkrise folgenden Strukturwandel seit den 1960er Jahren.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von 19,90 €.

Weitere Informationen auf

diezukunftimblick.lvr.de 

Online-Redaktion
Team Medien und Internet