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Artenvielfalt und natürliche Lebensräume schützen und fördern:

RVR-Ruhrparlament beschließt regionale Biodiversitätsstrategie für die Metropole Ruhr

Essen/Metropole Ruhr. Die Verbandsversammlung hat in ihrer Sitzung am 24. Juni eine regionale Biodiversitätsstrategie für die Metropole Ruhr beschlossen. Im nächsten Schritt wird der RVR gemeinsam mit Kommunen, Kreisen und Privaten ein Handlungsprogramm mit konkreten Maßnahmen und Projekten erarbeiten. Ergebnisse dazu sollen voraussichtlich Ende 2022 vorliegen.

Dr. Frank Dudda, Vorsitzender der Verbandsversammlung und Oberbürgermeister der Stadt Herne: „Biodiversität ist neben dem Klimawandel das zweite große Umweltthema unserer Zeit. Eine artenreiche urbane Stadtnatur trägt entscheidend zu einer gesunden, sozialen und lebenswerten Metropole Ruhr bei. Mit der regionalen Biodiversitätsstrategie wollen wir die Kräfte in der Region bündeln und zusammen das Ruhrgebiet zukunftsfähig machen.“

Seeadler, Löffler und Biber auf der Bislicher Insel in Xanten, Wachteln und Schwarzkehlchen am Auberg in Mülheim oder seltene Orchideenarten am Beversee in Bergkamen: In der Metropole Ruhe, dem drittgrößten Ballungsraum Europas, hat sich eine einzigartige und spezifische Biodiversität entwickelt. Die Vielfalt von Lebensräumen auf engem Raum führt zu einer hohen Artenvielfalt, die weit ausgeprägter ist als in einer landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft. Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen haben die Experten in den letzten Jahren rund 1.000 Arten aus Fauna und Flora feststellen können. Zollverein ist mit dieser Industrienatur-Vielfalt ein Biodiversitäts-Hotspot.

Die biologische Vielfalt ist jedoch auch im Ruhrgebiet zusehends starken Beeinträchtigungen durch weitere Verdichtung der Bebauung, Umweltbelastungen oder klimatische Veränderungen ausgesetzt. Ein aktuelles Beispiel für den Verlust an Biodiversität ist der Insektenrückgang.

Die Europäische Union, Deutschland und Nordrhein-Westfalen haben Strategien für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität entwickelt. Ihre Umsetzung stößt im urbanen Raum jedoch an Grenzen. Nina Frense, Beigeordnete für Umwelt und Grüne Infrastruktur des RVR, betont: „Wir sind die erste Städteregion in Deutschland, die eine regionale Biodiversitätsstrategie auflegt. Das ist gut, denn Tier und Pflanze kennen keine kommunalen Grenzen. Um sowohl in der freien Landschaft als auch im zentralen Ruhrgebiet eine Trendumkehr für die Biodiversität zu erreichen agieren wir jetzt als Region gemeinsam, das ist der erste Schritt zum Erfolg!“

Um die komplexe Situation abzubilden und Lösungen zu finden, sind die Grundlagen für eine Biodiversitätsstrategie für das Ruhrgebiet von einem Konsortium der Universitäten Duisburg-Essen, Ruhr-Universität Bochum und der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet unter Federführung des RVR erarbeitet worden.

Die regionale Biodiversitätsstrategie Ruhrgebiet beleuchtet die biologische Vielfalt des Ballungsraums aus verschiedenen Blickwinkeln und leitet Maßnahmen zu ihrer Erhaltung und Förderung ab. Sie soll in Zukunft einen Rahmen für biodiversitätsfördernde Maßnahmen sowie eine Abwägungsgrundlage für verschiedene räumliche Planungsinstrumente (Regionalplanung, Landschaftsplanung, Bauleitplanung) und Entscheidungsprozesse darstellen.

Für die Strategie wurden zehn Themen erarbeitet. „Biotop- und Artenschutz“ zeigt beispielsweise wesentliche Ziele und Maßnahmen für konkrete urbane Lebensräume, Arten und Artengemeinschaften auf. Für „Industrienatur“ werden Flächenansprüche und differenzierte Erhaltungs- sowie Pflegemaßnahmen vorgeschlagen. Das Thema „Wildnis in der Stadt“ soll zukünftig als Marke für Freiflächen genutzt werden, die weitestgehend sich selbst überlassen werden. In zwei Kapiteln wird die Förderung von „Biodiversität auf öffentlichen und privaten Grünflächen“ besprochen. „Agrarlandschaft“ und „Wald“ zeigen Möglichkeiten auf, die biologische Vielfalt in der land- und forstwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft im Ruhrgebiet zu stärken und zu entwickeln. Das Thema „Gewässer“ beleuchtet Artenvielfalt im Kontext der Entwicklung naturnaher stehender und fließender Gewässer. Bei „Ausgleich- und Ersatz“ werden Chancen und Möglichkeiten gezeigt, die Biodiversität im Rahmen der Umsetzung der gesetzlichen Ausgleichsregelung verbessern. Querschnittsthemen wie „Umweltbildung“ und „Klimawandel“ sind in den jeweiligen Kapiteln berücksichtigt. Es werden Zielsetzung und Anspruch eines „Biodiversitätsmonitorings“ skizziert. Darauf aufbauend soll eine Anpassung der Strategie alle fünf Jahre erfolgen.

Die Regionale Biodiversitätsstrategie Ruhrgebiet wird auf der Grundlage eines Projektvorschlags des Netzwerks „Urbane Biodiversität Ruhrgebiet“ zur Ruhr-Konferenz (2018) seit Mitte 2020 als Teilprojekt der „Offensive Grüne Infrastruktur 2030“ des Regionalverbandes Ruhr (RVR) von der NRW-Landesregierung gefördert.

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