RVR-Newsletter

8. Februar 2022 | Ausgabe 02/2022

Interview

Mit grüner Infrastruktur in die Zukunft

Grüne Infrastruktur und Industrieregion - ist das nicht ein Widerspruch? Und dann will das Ruhrgebiet auch noch besser sein als alle anderen: Der RVR will das Ruhrgebiet zur grünsten Industrieregion der Welt entwickeln. Wie soll das gehen? Wir haben nachgefragt bei Nina Frense. Sie ist RVR-Beigeordnete und verantwortet den Bereich Umwelt.

Frau Frense, warum hat sich der RVR das Ziel gesetzt, das Ruhrgebiet zur grünsten Industrieregion der Welt zu entwickeln?

Nina Frense: Die Metropole Ruhr soll auch noch in 20, 50 oder 100 Jahren eine lebenswerte Region sein. Wir haben dafür großes Potenzial, weil wir keine zugebaute Megacity sind, sondern eine Städtelandschaft. Es sind die Räume zwischen unseren Städten, die Natur, die uns miteinander verbindet. Nun geht es darum, diese Räume als Erholungsorte, als Standorte für erneuerbare Energien und für mehr Biodiversität weiter zu qualifizieren.

Es geht aber auch um den Umbau grauer Infrastrukturen, also wie neue naturbasierte Lösungen das Leben in der Stadt erleichtern können. Das Ziel ist ambitioniert – aber notwendig!

Grünste Industrieregion zu werden bedeutet für mich auch, dass wir nachhaltiger wirtschaften und resilient gegenüber Extremereignissen werden. Die Metropole Ruhr ist Heimat für über fünf Millionen Menschen, die hier leben und arbeiten. Mit Grüner Infrastruktur bleibt die Region lebenswert und ist fit für die Zukunft.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Vorhaben, um dieses Ziel zu erreichen?

Nina Frense: Das aktuell wichtigste Projekt ist für uns die Internationale Gartenausstellung 2027. Sie zeigt, wie eine lebenswerte Zukunft im Ruhrgebiet aussehen kann – in der Region, in den Städten und im eigenen Garten. Damit wird die IGA zur Leistungsschau der Grünen Infrastruktur in der Metropole Ruhr.

Daneben steht für uns die Haldenentwicklung in einem besonderen Fokus. In Zukunft werden die Halden noch stärker multifunktional entwickelt: für Naherholung, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und für erneuerbare Energien.

Letztlich ist jedoch jedes Projekt, welches „Grün“ in Quantität und Qualität fördert, wichtig und leistet einen Beitrag zur konkreten Ausgestaltung des Weges, auf den wir uns gemeinsam gemacht haben.

Beim Netzwerktag Grüne Infrastruktur am 1. Februar wurden Grundzüge einer „Green Charta“ für die Metropole Ruhr diskutiert. Was ist der Zweck dieser Charta?

Nina Frense: Mit der „Green Charta“ wollen wir die Entwicklungsabsichten der Region für die Zukunft der Grünen Infrastruktur aufzeigen und diese vereinbaren. Damit schaffen wir erstmalig eine verbindliche Grundlage für die Grüne Infrastruktur, die uns allen als Leitlinie und gemeinsame Marschrichtung dient. 

Die „Green Charta“ bündelt alle relevanten Themen und formuliert Ziele, wie wir unsere gemeinsame Vision der grünsten Industrieregion erreichen können. 

Sowohl an der „Green Charta“ als auch an der „Strategie Grüne Infrastruktur“ arbeiten wir gemeinsam mit den Akteurinnen und Akteuren der Region. Deshalb geht es mit mehreren Dialog- und Partizipationsformaten weiter, die uns dabei unterstützen, die Ziele zu formulieren.

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