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Urbane Hitze erfordert neue, städteübergreifende Lösungen für das Ruhrgebiet. Unser Deep Dive schlüsselt die komplexe Funktionsweise Grüner Infrastruktur auf und macht die kühlende Wirkung von Landschaftsräumen visuell erlebbar. Entdecken Sie anhand detaillierter Analysen, wie stark vernetzte Grünstrukturen das Klima stabilisieren und an welchen Orten wertvolle Potenziale für die Zukunft liegen.
Abgeleitet von den Daten des Atlas Grüne Infrastruktur haben wir kompakte Analysen erstellt, um deutlich zu machen, welche immense Bedeutung Grüne Infrastruktur für die zukünftige Lebensqualität unserer Region hat. Die dargestellten Karten stehen als Bilder zum Download bereit. Wir laden Sie herzlich ein, die Karten für Ihre eigene Kommunikation zu nutzen.
Warum uns der Klimawandel zum Handeln zwingt
Schon heute zeigt sich: Steigende Temperaturen beeinflussen nicht nur unser Wohlbefinden, sondern auch unseren Alltag und die Arbeitswelt. Messbar ist: Ab etwa 25 °C lässt die Leistungsfähigkeit nach – mit jedem weiteren Grad um rund 2 %. An einem heißen Tag kann so bereits ein Produktivitätsverlust von etwa 10 % entstehen [Quelle]S. 23, L. Eiserbeck, O. Lühr und R. Norpoth, Wirtschaftliche Aspekte der Klimafolgenanpassung in der Metropole Ruhr. Essen, Germany: Prognos AG im Auftrag des Regionalverbands Ruhr, 2024-09-18. Nach u.a. Seppänen et al (2004): Control of temperature for health and productivity in offices; Hübler et al. (2007): Costs of Climate Change. The Effects of Rising Temperatures on Health and Productivity in Germany. Bettgenhäuser et al. (2011): Klimaschutz durch Reduzierung des Energiebedarfs für Gebäudekühlung..
Ein Blick in die Zukunft macht deutlich, wie relevant dieses Thema wird. Bis Ende des Jahrhunderts nimmt die Anzahl Heißer Tage in allen Klimaszenarien deutlich zu. Damit wird Hitze zu einem festen Bestandteil des Sommers und zu einer wachsenden Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Besonders im Szenario mit weiterhin hohen Emissionen (RCP8.5) vervielfacht sich die Anzahl der heißen Tage in Teilen des Ruhrgebiets.
Fachbegriffe einfach erklärt
Ein Heißer Tag ist ein Tag, an dem das Maximum der Lufttemperatur ≥ 30 °C beträgt. Ein Heißer Tag wurde früher auch als Tropentag bezeichnet.
Das zugrunde gelegte Klimaszenario ohne Klimaschutzmaßnahmen entspricht dem Emissionsszenario RCP8.5, das von weiterhin hohen Treibhausgasemissionen ausgeht. Als Vergleich dient das Szenario RCP2.6, das ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen und entsprechend niedrigere Emissionen annimmt.
Die Angaben beziehen sich auf die Klimanormalperiode 2071–2100, einen standardisierten 30-jährigen Zeitraum zur Beschreibung zukünftiger Klimabedingungen.
Wo wird es im Ruhrgebiet bis Ende des Jahrhunderts am heißesten?
Animation: Karte projizierter heißer Tage im Ruhrgebiet, Szenario RCP acht Punkt fünf zweitausendeinundsiebzig bis zweitausendeinhundert; Zooms auf Duisburg, Gevelsberg und Castrop-Rauxel.
Die Karte zeigt, wie sich die Anzahl Heißer Tage bis zum Ende des Jahrhunderts im Ruhrgebiet räumlich verteilt. Besonders deutlich wird ein West-Ost-Gefälle. Im westlichen Ruhrgebiet werden künftig über 30 Heiße Tage pro Jahr erreicht, verbunden mit einer absolut sehr starken Zunahme im Vergleich zu heute.
In den südlichen Bereichen fällt die absolute Zahl Heißer Tage zwar geringer aus, gleichzeitig sind hier jedoch die relativen Zuwächse besonders hoch. Auch Regionen, die heute noch vergleichsweise moderat betroffen sind, werden künftig also deutlich häufiger mit Hitze konfrontiert sein. Die starke Zunahme an Heißen Tagen zeigt sich demnach auch im Mittel des ganzen Ruhrgebiets (s. Grafik im Ausklappfenster).
Wie werden sich die Heißen Tage entwickeln?
Wie werden sich die Heißen Tage entwickeln?
Die Folgen sind nicht nur spürbar, sondern auch messbar: Höhere Temperaturen führen zu Produktivitätsverlusten, insbesondere in Branchen, in denen Menschen im Freien arbeiten oder nur begrenzte Möglichkeiten zur Abkühlung haben. Gleichzeitig zeigt ein Vergleich der Szenarien, dass konsequenter Klimaschutz einen deutlichen Unterschied macht. Im optimistischeren Szenario (RCP2.6) fallen sowohl die Anzahl Heißer Tage als auch die prognostizierten wirtschaftlichen Auswirkungen deutlich geringer aus. Konkret bedeutet das nach einer Studie aus dem Jahr 2024 für das Ruhrgebiet jährliche wirtschaftliche Verluste von rund 314 Millionen Euro gegenüber etwa 591 Millionen Euro im Szenario RCP8.5 [Quelle]S. 23, L. Eiserbeck, O. Lühr und R. Norpoth, Wirtschaftliche Aspekte der Klimafolgenanpassung in der Metropole Ruhr. Essen, Germany: Prognos AG im Auftrag des Regionalverbands Ruhr, 2024-09-18. Nach u.a. Seppänen et al (2004): Control of temperature for health and productivity in offices; Hübler et al. (2007): Costs of Climate Change. The Effects of Rising Temperatures on Health and Productivity in Germany. Bettgenhäuser et al. (2011): Klimaschutz durch Reduzierung des Energiebedarfs für Gebäudekühlung..
Die Hitzeentwicklung ist damit keine abstrakte Zukunftsfrage, sondern eine konkrete Gestaltungsaufgabe mit starkem Handlungsdruck. Wie stark uns die Hitze künftig belastet, hängt auch davon ab, wie wir heute handeln – in der Klimapolitik ebenso wie in der Gestaltung unserer Städte und Freiräume.
Schatten statt Hitzestress: Wo Grünräume unsere Region kühlen
Klimaanpassung umfasst ein breites Spektrum an Handlungsfeldern – von Regenwassermanagement und Überflutungsschutz bis hin zur Vorbereitung auf zunehmende Extremwetterereignisse. Grüne Infrastruktur nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, da sie mehrere dieser Funktionen gleichzeitig erfüllen kann.
Durchwurzelte, versickerungsfähige Böden tragen zur Speicherung und zum Rückhalt von Wasser bei und entlasten so Entwässerungssysteme. Hohe Vegetation spendet Schatten, reduziert die Aufheizung von Oberflächen und das Austrocknen von Böden. Gleichzeitig verbessern größere Grünvolumina und zusammenhängende Vegetationsflächen das lokale Mikroklima, etwa durch Verdunstungskühlung und Luftzirkulation.
Insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Hitzebelastung und ihre gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen, ist Grüne Infrastruktur daher ein zentraler Baustein der Klimaanpassung. Sie leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, Städte widerstandsfähiger und lebenswerter zu gestalten und den Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte zu begegnen.
Fachbegriffe einfach erklärt
Klimaanpassung umfasst Maßnahmen, die darauf abzielen, die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren und die Widerstandsfähigkeit von Städten, Infrastrukturen und Ökosystemen gegenüber veränderten klimatischen Bedingungen zu erhöhen.
Grüne Infrastruktur bezeichnet die Gesamtheit der natürlichen und naturnahen Flächen in Stadt und Landschaft, von Parks und Bäumen bis hin zu Gewässern und Grünzügen, die als geplantes vernetztes System vielfältige ökologische, klimatische und soziale Funktionen erfüllen.
Das Grünvolumen beschreibt die dreidimensionale Menge an Vegetation in einem Raum, gemessen in Kubikmetern. Es berücksichtigt nicht nur die Flächenausdehnung, sondern auch die Höhe von Pflanzen und ist ein wichtiger Indikator für klimatische Wirkungen wie Verschattung und Kühlung.
Verteilung der Hitze im Ruhrgebiet: Zufall oder Struktur?
Animation: Wechsel zwischen Schwarzplan und Vegetationsbedeckung des Ruhrgebiets; Siedlungsstrukturen und Grünflächen werden angezeigt.
Um die Grün- und Siedlungsstrukturen des Ruhrgebiets zu verstehen, bietet sich als Einstieg ein klassisches Instrument der Stadtplanung an: der Schwarzplan. Er stellt sämtliche Gebäude dar, unabhängig davon, ob sie privat, gewerblich oder öffentlich genutzt werden. In Kombination mit einer Darstellung der Vegetationsbedeckung im Sinne eines „Grün-Schwarzplans“ werden räumliche Muster sichtbar, die auch für klimatische Analysen relevant sind.
Die gemeinsame Betrachtung von Grün- und Schwarzplan zeigt: Die Kernzone von Duisburg bis Dortmund zieht sich als dicht besiedelter und hochversiegelter Streifen durch das mittlere Ruhrgebiet. Gleichzeitig gibt es hier das geringste Vorkommen Grüner Infrastruktur.
Die Karte des Hitzeindex zeigt schließlich, inwiefern dieses räumliche Muster für Menschen spürbar wird: Wo wird es tatsächlich belastend heiß – und wo nicht?
Auffällig ist zunächst, dass sich die bereits erkennbaren Verdichtungsräume auch hier deutlich abzeichnen. Entlang des durchgehenden Siedlungsbandes treten vermehrt hohe bis sehr hohe Hitzebelastungen auf. Die Flächen erscheinen in Farben von Orange bis Dunkelrot und markieren jene Bereiche, in denen sich Hitze tagsüber besonders stark aufbaut und nachts nur unzureichend wieder abgebaut wird.
Demgegenüber stehen kühlere Bereiche, die sich vor allem in den weniger dicht bebauten Randlagen sowie in größeren zusammenhängenden Grünräumen finden. Besonders auffällig ist der Südosten mit Ausläufern des Naturparks Bergisches Land, während im nördlichen Bereich die Hügellandschaft Haard, der Naturpark Hohe Mark sowie die Heide- und Waldflächen südlich der Lippeaue auffallen. Hier dominieren helle und bläuliche Farbtöne. Diese Räume profitieren von höherem Grünvolumen, besserer Durchlüftung und geringerer Versiegelung – Faktoren, die sowohl den Hitzestress am Tag als auch die nächtliche Abkühlung positiv beeinflussen und so für einen mittleren bis niedrigen Hitzeindex sorgen.
Fachbegriffe einfach erklärt
Die Lufttemperatur beschreibt, wie warm die Luft zu einer bestimmten Uhrzeit in einer bestimmten Höhe über dem Boden ist. Sie ist eine der zentralen meteorologischen Größen und bildet die Grundlage für viele klimatische Bewertungen, sagt jedoch allein noch wenig über die tatsächliche Wärmebelastung für den Menschen aus.
Die Physiologisch Äquivalente Temperatur (PET) beschreibt die vom Menschen empfundene Temperatur. Sie berücksichtigt neben der Lufttemperatur auch weitere Einflussfaktoren wie Sonneneinstrahlung, Windgeschwindigkeit und Luftfeuchtigkeit. Dadurch ermöglicht die PET eine realistischere Einschätzung der thermischen Belastung des menschlichen Körpers, insbesondere in städtischen Räumen.
Der Hitzeindex kombiniert die PET am Nachmittag (15:30 Uhr) mit der Lufttemperatur in den frühen Morgenstunden (5:30 Uhr), um die gesamte Hitzebelastung eines Tages abzubilden. Während die PET die Belastung durch Hitze tagsüber erfasst, zeigt die nächtliche Lufttemperatur, wie gut sich der Körper erholen kann. Der Index ermöglicht so eine ganzheitliche Bewertung von Hitzeereignissen.
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Grünvolumen und Hitze?
Animation Grünvolumen und Wärmebelastung: 3D-Karte des Ruhrgebiets; erst Wärmebelastung, dann Grünvolumen, anschließend beide Ebenen überlagert.
Mehr Grün bedeutet messbar weniger Hitzestress. Die 3D-Darstellung macht diese Beziehung unmittelbar sichtbar. Dargestellt sind übereinander gelegt zwei Ebenen: das Grünvolumen und der Hitzeindex. Die grünen Strukturen zeigen, wo Vegetation in der Region besonders voluminös ist, etwa in Wäldern, Parks oder entlang größerer Freiräume. Demgegenüber stehen die weniger grünen Bereiche, die durch dichte und fragmentierte Siedlungsstrukturen oder durch Landwirtschaft geprägt sind. Darüber legen sich die Balken der Hitzebelastung.
Sie zeigen: Oft genau dort, wo wenig Grünvolumen vorhanden ist, steigen die Werte der empfundenen Temperatur deutlich an. In den dicht bebauten Stadtbereichen entstehen regelrechte Hotspots, in denen sich Hitze staut und nur langsam wieder abgebaut wird. Umgekehrt bleiben die Werte in vegetationsreichen Räumen sichtbar niedriger, hier wirken Schatten, Verdunstung und Luftaustausch kühlend. Es ergibt sich ein strukturelles Muster.
Grünvolumen und PET: Die Statistik dahinter
Grünvolumen und PET: Die Statistik dahinter
Auch statistisch bestätigt sich dieser Zusammenhang im Streudiagramm: Mit zunehmendem Grünvolumen sinkt die thermische Belastung. Gleichzeitig wird sichtbar, dass bevölkerungsreiche Kommunen oder solche mit großen Industriegebieten häufiger höhere Belastungswerte aufweisen. Das Ausmaß der Hitzebelastung ist also kein Zufall, es ist das Ergebnis unserer gebauten Umwelt und damit auch in hohem Maße gestaltbar.
Welchen Einfluss hat Grüne Infrastruktur auf das lokale Klima?
Wie zeigt sich das konkret vor Ort und wie wirken sich Grünräume auf ihre Umgebung aus? Drei Zooms zeigen unterschiedliche Räume und deren klimatische Eigenschaften.
Die Zooms machen deutlich, wo Hitze besonders belastend wirkt und welche Strukturen für Entlastung sorgen können. Grüne Infrastruktur wirkt je nach Ausprägung auf mehreren Ebenen positiv auf das lokale Klima und kann der zunehmenden Hitzebelastung entgegen wirken. Insbesondere in heute schon dicht bebauten Gebieten ist der Erhalt bestehender sowie das Schaffen neuer Grüner Infrastrukturen wichtig, um Rückzugsräume für Menschen zu schaffen, Bereiche zu durchlüften oder deren Aufheizen zu reduzieren.
Doch die Zooms zeigen auch eine Grenze auf: Einzelne Grünflächen wirken erst einmal vor allem lokal. Entscheidend für das Klima der gesamten Region ist ihr Zusammenspiel und eine breite räumliche Vernetzung. Einzelne Grünflächen, die lokal zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen, können ihre volle Wirkung im Verbund entfalten. So entsteht ein zusammenhängendes System, welches klimatische, ökologische und soziale Funktionen miteinander verbindet.
Fachbegriffe einfach erklärt
Die Kaltluftproduktion ist das Maß für die nächtliche Bildung von Kaltluft. Sie entsteht vor allem über unversiegelten, offenen Flächen durch Abkühlung der bodennahen Luft. Die Höhe der Produktion hängt u. a. von Einstrahlung, Relief, Bodenbeschaffenheit und Vegetation ab. Besonders hohe Werte treten meist auf landwirtschaftlichen Freiflächen auf, während Wälder geringere Raten aufweisen und versiegelte Flächen keine Kaltluft produzieren.
Der Kaltluftvolumenstrom ist das Maß für die Bewegung von Kaltluft in m³/(s × m) und beschreibt, wie viel Kaltluft pro Sekunde durch einen Raumquerschnitt strömt. Er gibt damit den Zustrom und die Verteilung der Kaltluft an und ist ein zentraler Indikator für das Durchlüftungspotenzial eines Gebiets.
Zoom 1: Landschaftspark Duisburg
Zoom 1: Landschaftspark Duisburg
Animation Landschaftspark Duisburg-Nord: Wechsel zwischen Luftbild, Wärmebelastung, Grünvolumen, Kaltluftproduktion und Kaltluftströmung.
Das insgesamt hohe Grünvolumen sorgt in Kombination mit einem an vielen Stellen hohen Beschirmungsgrad für eine günstige klimatische Ausgangslage. Dichte Grünstrukturen reduzieren durch Verschattung und Verdunstung die Aufheizung am Tag und stabilisieren das Mikroklima. Während offene Flächen vor allem für die nächtliche Kaltluftproduktion entscheidend sind, übernehmen beschirmte Bereiche tagsüber eine zentrale Funktion für den Hitzeschutz. Innerhalb des Parks liegen die Hitzeindex-Werte daher größtenteils deutlich unter denen der angrenzenden, dichter bebauten Bereiche.
Die Kaltluftproduktion findet dabei vor allem in offenen, unversiegelten und weniger dicht bewachsenen Bereichen statt. Die entstehende Kaltluft zirkuliert überwiegend lokal und fließt begrenzt in die umliegenden Siedlungsräume ab.
Die klimatische Wirkung liegt in diesem Fall also vor allem in der lokalen Kühlung. Der Park fungiert als thermischer Ausgleichsraum und kühler Naherholungsraum. Entscheidend ist dabei die räumliche Kombination unterschiedlicher Strukturen: Offene, unversiegelte Flächen ermöglichen die nächtliche Kaltluftproduktion, während beschirmte, dicht bewachsene Bereiche tagsüber Verschattung und Verdunstungskühlung leisten.
Zoom 2: Halde Haniel & Halde Schöttelheide in Bottrop
Zoom 2: Halde Haniel & Halde Schöttelheide in Bottrop
Animation Halde Haniel und Halde Schöttelheide: Wechsel zwischen Luftbild, Wärmebelastung, Grünvolumen, Kaltluftproduktion und Kaltluftströmung.
Die Halden Haniel und Schöttelheide in Bottrop zeigen ein deutlich reliefgeprägtes Zusammenspiel von Vegetation, Freiflächen und Mikroklima. Sie unterscheiden sich damit grundlegend vom eher flachen Landschaftspark Duisburg-Nord.
Auf beiden Halden findet eine ausgeprägte Kaltluftproduktion statt, insbesondere in offenen, unversiegelten Bereichen. Die Schöttelheide weist dabei lokal höhere Produktionsraten auf, was auf ihren geringeren Beschirmungsgrad und die offeneren Flächen zurückzuführen ist. Die stärker bewaldete Halde Haniel zeigt dagegen geringere Produktionsraten auf den bewachsenen Flächen, bietet jedoch andere klimatische Qualitäten. Durch ihre größere Höhe und steileren Flanken erzeugt sie einen deutlich stärkeren Kaltluftvolumenstrom. Die dort entstehende Kaltluft wird entlang der Hänge abgeleitet und erreicht damit auch angrenzende Siedlungsbereiche. Gleichzeitig sorgen die dichten Gehölzstrukturen für eine wirksame Verschattung und Kühlung am Tag.
Der Ausschnitt verdeutlicht damit zweierlei. Zum einen unterscheiden sich Halden durch ihr Relief deutlich von flachen Grünräumen wie dem Landschaftspark; sie können Kaltluft nicht nur produzieren, sondern auch ableiten. Zum anderen zeigt sich auch hier, dass die klimatische Wirkung nicht allein von der Kaltluftproduktion abhängt, sondern vom Zusammenspiel aus offenen Flächen, Vegetationsstruktur und Topografie. Erst diese Kombination ermöglicht lokale Abkühlung und – wenn auch räumlich begrenzte – Durchlüftungseffekte.
Zoom 3: Oberhausen
Zoom 3: Oberhausen
Animation Oberhausen: Wechsel zwischen Luftbild, Wärmebelastung, Grünvolumen, Kaltluftproduktion und Kaltluftströmung.
Der dicht bebaute Stadtbereich in Oberhausen zeigt ein weitgehend gegenteiliges Muster zu den zuvor betrachteten Freiräumen.
Die Kaltluftproduktion ist im gesamten Gebiet stark eingeschränkt und tritt nur punktuell über kleineren Grünflächen oder auf unversiegelten Brachflächen auf. Große zusammenhängende Kaltluftentstehungsgebiete fehlen nahezu vollständig. Entsprechend gering ist auch der Kaltluftvolumenstrom: Es bilden sich lediglich schwache, kleinräumige Luftbewegungen ohne nennenswerte Wirkung auf die umliegenden Quartiere.
Das Grünvolumen ist insgesamt niedrig und stark fragmentiert. Vegetationsstrukturen sind überwiegend kleinteilig und nicht ausreichend vernetzt, um eine flächige Kühlwirkung zu entfalten. Auch der Beschirmungsgrad ist in großen Teilen des Gebiets gering, sodass Verschattung und Verdunstungskühlung nur eingeschränkt stattfinden.
Diese Beobachtungen spiegeln sich auch im Hitzeindex wieder: Die dichten Siedlungsstrukturen weisen großflächig erhöhte thermische Belastungen auf. Kühlere Bereiche beschränken sich auf Parks, Friedhöfe, Gartenflächen oder begrünte Innenhöfe. Die einzelnen Flächen bleiben jedoch isoliert und können kaum in die umliegenden Quartiere hineinwirken.
Der Ausschnitt verdeutlicht, dass in stark versiegelten Stadträumen sowohl die nächtliche Abkühlung als auch die Durchlüftung deutlich reduziert sind. Ohne ausreichende Grünstrukturen fehlen sowohl Kaltluftproduktion als auch wirksame Verschattung. Die Kühlleistung bleibt punktuell und erreicht keine flächige Wirkung – mit entsprechend hoher Hitzebelastung für die Bevölkerung.
Grün verbindet: Ein starkes Netzwerk für ein gesünderes Ruhrgebiet
Welche grünen Strukturen prägen das Ruhrgebiet?
Animation: Karte des Ruhrgebiets; nacheinander werden Siedlungsflächen, Gewässer, Waldflächen, Grünland, Biotopverbund, regionale Grünzüge, Projekte und Industrienatur ergänzt.
Um zu verstehen, wie dieses zusammenhängende System im Ruhrgebiet schon heute aussieht und sich weiterentwickeln soll, bietet sich ein Blick auf die bestehenden Grünen Infrastrukturen an.
Die Grüne Infrastruktur des Ruhrgebiets wird maßgeblich durch Waldflächen und weitläufiges Grünland bestimmt. Besonders in den Randgebieten entlang des Rheins und in den Höhenzügen des Ruhrgebiets finden sich ausgedehnte Grünflächen, die sowohl als landwirtschaftlich genutzte Flächen als auch als wichtige Ökosysteme fungieren. Das Grünland dient nicht nur der Produktion von Nahrung und Energiepflanzen, sondern erfüllt auch eine zentrale Rolle im Natur- und Klimaschutz: Durch das schnelle Wachstum des zu 98,2 % aus aktiver grüner Vegetation bestehenden Grünlands haben diese Flächen eine hohe Kohlenstoffbindungskapazität und tragen so zur Reduktion des Treibhauseffekts bei [Quelle]S. 17, Regionalverband Ruhr, Katalog Grüne Infrastruktur Ruhrgebiet, Version 2.0. Essen, Germany: Regionalverband Ruhr, Apr. 2026. [Online]. [Accessed: 2026-06-04]..
In den Waldgebieten, die mit 99,1 % Vegetationsbedeckung ebenfalls eine wichtige Rolle im Klimaschutz spielen, finden sich nicht nur artenreiche Lebensräume für Tiere und Pflanzen, sondern auch eine natürliche Regulierung des Mikroklimas [Quelle]S. 17, Regionalverband Ruhr, Katalog Grüne Infrastruktur Ruhrgebiet, Version 2.0. Essen, Germany: Regionalverband Ruhr, Apr. 2026. [Online]. [Accessed: 2026-06-04].. Besonders in den höheren Lagen, wie etwa im Naturpark Hohe Mark oder der Haard, sorgen die dichten Waldstrukturen für eine Verbesserung der Luftqualität und bieten gleichzeitig Schutz vor Erosion. Sie filtern Schadstoffe aus der Luft und sind wichtige Wasserspeicher.
Fachbegriffe einfach erklärt
Der Biotopverbund stellt sicher, dass Tiere und Pflanzen zwischen verschiedenen räumlich benachbarten Lebensräumen wandern können. Er dient damit der Verbindung von besonders schutzwürdigen Lebensräumen zu einem durchgehenden Netz, das den Austausch und das Überleben von Arten fördert.
Regionale Grünzüge sind große zusammenhängende Freiräume, die sich über kommunale Grenzen hinweg erstrecken. Im Ruhrgebiet bilden sie das Rückgrat der Grünen Infrastruktur und sind als verbindende Landschaftsstrukturen von besonderer Bedeutung. Sie wurden frühzeitig vor baulicher Inanspruchnahme geschützt, um das Zusammenwachsen der Städte im Ballungsraum zu verhindern und gleichzeitig Erholungs- und Ausgleichsräume zu schaffen.
Wo vervollständigen Industrienatur und Einzelprojekte das Netz?
Diese Karte zeigt, wie der Biotopverbund im Ruhrgebiet über mehrere Schutzgebiete und natürliche Lebensräume hinweg ein zusammenhängendes Netzwerk bildet. Besonders hervorzuheben ist, wie dieser Verbund durch die Verknüpfung von Grünzügen und Industriebrachen zu einem stabilen System für die Artenvielfalt beiträgt.
Industriebrachen, die ursprünglich durch industrielle Nutzung geprägt waren, bieten heute zahlreiche ökologische Potenziale. Hier entstehen wertvolle Rückzugsräume für Flora und Fauna, die sich im Verlauf der Zeit zu sogenannten „Industrienaturen“ entwickelt haben. Beispiele wie die Halde Hoheward zeigen, wie ehemalige Industrieflächen durch Renaturierung und kreative Projekte zu ökologischen Hotspots und gleichzeitig wertvollen Naherholungsgebieten für die Bevölkerung werden.
Zoom 4: Die Halde Hoheward als multifunktionaler Lückenschluss
Zoom 4: Die Halde Hoheward als multifunktionaler Lückenschluss
Die Halde Hoheward in Herten ist ein bemerkenswerter Bestandteil der Grünen Infrastruktur im Ruhrgebiet. Die Halde trägt auf vielfältige Weise zur Verbesserung des regionalen Klimas sowie zur Förderung der ökologischen Vernetzung bei. Sie bildet einen wichtigen Lückenschluss im Biotopverbund, indem sie verschiedene natürliche und industrienahe Flächen miteinander verknüpft.
Diese Verbindungen ermöglichen den Austausch von Flora und Fauna und sichern wertvolle Lebensräume für die Biodiversität. Als Teil des Regionalen Grünzugs trägt sie zur Schaffung größerer, zusammenhängender grüner Korridore bei, die nicht nur der Natur, sondern auch den Menschen zugutekommen, indem sie Naherholungsräume und klimatisch wertvolle Zonen schaffen.
Klimatisch wertvoll ist die Halde insbesondere durch ihre Lage im südwestlich angrenzenden Bereich zu Gewerbeflächen. Sie wirkt als Kaltluftproduktionsgebiet und trägt durch die Einleitung von Kaltluftströmen zur Kühlung der angrenzenden Siedlungsflächen bei. Besonders im Sommer können so die Auswirkungen von Hitzestress reduziert und das Mikroklima in der Region stabilisiert werden.
Neben den ökologischen und klimatischen Vorteilen trägt die Halde auch zu Lebensqualität und Umweltbildung bei und ist ein zentraler Erholungspunkt für die Bevölkerung im Ruhrgebiet. Die Halde dient zudem als Fläche für Bildungsangebote und Tourismus. Dazu zählen Projekte wie das Horizontobservatorium, Wanderwege und Mountainbikestrecken bis hin zu Elektronikmusik-Festivals. Die Renaturierung der Halde sowie der Ausbau für Freizeitaktivitäten stärken das Gemeinschaftsgefühl und bieten der Bevölkerung eine aktive Möglichkeit, sich mit der Natur und ihrer Geschichte auseinanderzusetzen.
Da geht noch wat! Wo besonderer Handlungsbedarf besteht
Nachdem wir feststellen konnten, wie wichtig Grünflächen für das Klima und die Lebensqualität in unseren Städten sind, werfen wir nun abschließend einen Blick darauf, wo noch besonderer Handlungsbedarf besteht und wie das Zusammenspiel von Grünvolumen, versiegelten Flächen, Hitzebelastung und betroffener Bevölkerung das Bild in der Region prägt.
Um größere Strukturen und Muster im Ruhrgebiet besser sichtbar zu machen, wurden die zuvor analysierten Daten vereinfacht und vergröbert. Jede Hexagonzelle fasst alle relevanten Daten zusammen, die in diesen Bereich fallen. Als untere Ebene der Karte ist das Hexagonraster nach Grünvolumen (wenig, mittel, viel) eingefärbt. Darüber liegt dasselbe Raster, jedoch gefiltert nach den Bereichen, in denen mindestens 100 Personen pro Hexagon leben. Die Größe der Hexagonzellen zeigt hier an, wie viele Menschen im Vergleich zur gesamten Region in diesen Gebieten wohnen. Die Farbcodierung stellt eine Kombination aus den Indikatoren Hitzebelastung und Versiegelung dar.
Die Karte zeigt deutlich, dass vor allem in den innerstädtischen Bereichen sowohl hohe Versiegelung als auch hohe Hitzebelastung zu finden sind, was dort gleichzeitig besonders viele Menschen trifft. Entlang der Stadtränder oder in weniger dicht bebauten, grünen Bereichen ist die Hitzebelastung in der Regel niedriger – Ausnahmen bilden hier einzelne Gewerbe- und Industrieareale mit hoher Versiegelung, die in dieser Karte aufgrund der niedrigen Wohnbevölkerung nicht auftauchen. Vereinzelt gibt es hier jedoch auch Gebiete, die im Mittel eine hohe Versiegelung aber wenig Hitzebelastung aufweisen, was ein Indiz für gut belüftete Bereiche und eine lockerere Bebauung sein kann.
Diese Synthese der Daten zeigt uns also nicht nur, wo es heiß wird, sondern auch, wie wichtig es ist, gezielt in bestimmten Bereichen mehr Grüne Infrastruktur zu schaffen. So kann die Lebensqualität erhöht und Klimawandel besser gemeistert werden.
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Download
Warum uns der Klimawandel zum Handeln zwingt
Datenquellen:
GeoBasis-DE/BKG (2026) dl-de/by-2-0
LANUK NRW
Deutscher Wetterdienst; Quellen für Klimaprojektionsdaten: Brienen et al. (2020), Krähenmann (2019)
Diagramm Entwicklung Heiße Tage
Datenquellen:
Deutscher Wetterdienst; Quellen für Klimaprojektionsdaten: Brienen et al. (2020), Krähenmann (2019)
Schatten statt Hitzestress: Wo Grünräume unsere Region kühlen
Datenquellen:
Geobasis NRW
LUP - Luftbild Umwelt Planung GmbH*
Datenquellen:
Regionalverband Ruhr
Datenquellen:
Regionalverband Ruhr
LUP - Luftbild Umwelt Planung GmbH*
Diagramm Grünvolumen/PET nach Ortslage
Diagramm Grünvolumen/PET nach Kommune
Datenquellen:
Regionalverband Ruhr
LUP - Luftbild Umwelt Planung GmbH*
Statistisches Bundesamt (Destatis) | 2026
Karte Zoom Landschaftspark Duisburg
Datenquellen:
Regionalverband Ruhr
Karte Zoom Halden Haniel & Schöttelheide Bottrop
Datenquellen:
Regionalverband Ruhr
Datenquellen:
Regionalverband Ruhr
LUP - Luftbild Umwelt Planung GmbH*
Grün verbindet: Ein starkes Netzwerk für ein gesünderes Ruhrgebiet
Datenquellen:
Regionalverband Ruhr
Land NRW
GeoBasis-DE/BKG (2026) dl-de/by-2-0
Karte Zoom Halde Hoheward Herten
Datenquellen:
Regionalverband Ruhr
LUP - Luftbild Umwelt Planung GmbH*
Geobasis NRW
Statistisches Bundesamt (Destatis) | 2026
Da geht noch wat! Wo besonderer Handlungsbedarf besteht
Datenquellen:
Regionalverband Ruhr
LUP - Luftbild Umwelt Planung GmbH*
GeoBasis-DE/BKG (2026) dl-de/by-2-0
Statistisches Bundesamt (Destatis) | 2026
LANUK NRW
*LUP - Luftbild Umwelt Planung GmbH. Gefördert im Rahmen der Förderrichtlinie “Entwicklung und Implementierungsvorbereitung von Copernicus Diensten für den öffentlichen Bedarf zum Thema Klimaanpassungsstrategien für kommunale Anwendungen in Deutschland” des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV, Förderkennzeichen: 50EW2201A). Bearbeitet durch LUP - Luftbild Umwelt Planung GmbH in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin und der Stadt Leipzig.
Kontaktbox(en)
Leonie Krelaus
Referat Klima und Umweltschutz
Team Klimaanpassung
krelaus[at]rvr.ruhr
+49 (201) 2069-485








