Flächen für die Energie von morgen: Worauf es ankommt

Wie können wir Solarenergie ausbauen, ohne wertvolle Flächen zu verlieren? Und wie bringen wir Landwirtschaft, Industrie, Städtebau und Energiewende zusammen? Darüber diskutierten Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Frank Dudda, Vorsitzender des Ruhrparlaments und Oberbürgermeister der Stadt Herne, Dr. Kai Gerhard Steinbrich, Geschäftsführer der ENNI Energie & Umwelt Niederrhein GmbH, und Paula Backhaus, Vorsitzende des Regionalverbands Düsseldorf/Ruhr des Landesverbands Erneuerbare Energien NRW.

In der Talkrunde wurde schnell klar: Fläche ist ein zentraler Engpass beim Ausbau der Solarenergie – aber kein unlösbares Problem. Nordrhein-Westfalen steht unter hohem Flächendruck. Rund 50 Prozent der Flächen werden landwirtschaftlich genutzt und gewährleisten damit unsere Versorgungssicherheit. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Erneuerbarer Energie – für Klimaschutz und wirtschaftliche Stabilität. Die Diskussion zeigte: Es geht um kluge Prioritäten, faire Regeln und neue Kombinationen.

Einigkeit bestand darüber, dass hochwertige landwirtschaftliche Böden besonders schützenswert sind. Anlagen auf Dächern, auf bereits versiegelten oder vorgenutzten Flächen, entlang von Autobahnen und Schienen können den Druck von diesen Flächen nehmen. Ganz ohne die Landwirtschaft wird es aber nicht gehen. Hier kommt es darauf an, Flächen multifunktional zu nutzen – etwa durch Agri-Photovoltaik. Insgesamt gilt es, genau zu schauen, was auf welchen Flächen möglich ist.

Stimmen von der Bühne

Die landwirtschaftlichen Flächen sind in erster Linie dafür da, Lebensmittel zu produzieren. Aber wir müssen auch Erneuerbare Energien ausbauen. Wir müssen gemeinsame Wege finden, denn beides muss möglich sein in Zukunft.

- Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen -

Die Flächenknappheit können wir nur durch Multifunktionalität auflösen - Und das ist auch kein Problem. Das Problem ist ja oft nur das Denken.

- Dr. Frank Dudda, Oberbürgermeister der Stadt Herne und Vorsitzender des Ruhrparlaments -

ilke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, steht auf der Bühne des Symposiums Grüne Infrastruktur und hält ein Mikrofon in der Hand.
© RVR/Leon Fülber
 Moderatorin Sina Kuipers, Dr. Kai Gerhard Steinbrich, Geschäftsführer der ENNI Energie & Umwelt Niederrhein GmbH, Paula Backhaus, Vorsitzende des Regionalverbands Düsseldorf/Ruhr des Landesverbands Erneuerbare Energien Nordrhein-Westfalen, und Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, auf der Bühne des Symposiums Grüne Infrastruktur, im Vordergrund Publikum
© RVR/Leon Fülber
Hürden für Freiflächen-Photovoltaik sind nicht elektrotechnischer Natur, sondern liegen bei den Genehmigungen. Dafür braucht es Durchhaltevermögen, Standfestigkeit und eine gewisse Motivationsresilienzüber den gesamten Zeitraum.

- Dr. Kai Gerhard Steinbrich, Geschäftsführer der ENNI Energie & Umwelt Niederrhein GmbH -

Wir brauchen Dachflächen und wir brauchen Freiflächen – für unsere Wirtschaftskraft, für unsere Unabhängigkeit und für das Klima sowieso. Ich finde es wichtig, dass man das eine nicht gegen das andere ausspielt.

- Paula Backhaus, Vorsitzende des Regionalverbands Düsseldorf/Ruhr des Landesverbands Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) -

Moderatorin Sina Kuipers, Dr. Kai Gerhard Steinbrich, Geschäftsführer der ENNI Energie & Umwelt Niederrhein GmbH, Paula Backhaus, Vorsitzende des Regionalverbands Düsseldorf/Ruhr des Landesverbands Erneuerbare Energien Nordrhein-Westfalen, Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, und Dr. Frank Dudda, Oberbürgermeister der Stadt Herne und Vorsitzender des Ruhrparlaments, auf der Bühne des Symposiums Grüne Infrastruktur, im Vordergrund Publikum
© RVR/Leon Fülber

Wo herrschte Einigkeit – und wo wurde es kontrovers?

Größte Übereinstimmung
Alle Beteiligten waren sich einig, dass der Ausbau der Solarenergie entscheidend für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stärke ist. Dächer, versiegelte Flächen und vorgenutzte Areale sollten zuerst genutzt werden. Landwirtschaftliche Flächen brauchen einen besonderen Schutz und klare Leitplanken.

Größter Diskussionspunkt
Strittig war, ob Landwirt*innen Ausgleichszahlungen aus Steuergeldern erhalten sollten, wenn sie Pachtfläche verlieren. Aus der Praxis wurde darauf hingewiesen, dass sich die Energieerzeugung nur durch diese Abgaben von Flächen an Wirtschaftsunternehmen auf sichere Beine stellen ließe. Politisch wurde klar gesagt: Kein Ausgleich aus Steuergeld für private Geschäftsmodelle. Wichtig sind klare Regeln, gute Planung und Synergieeffekte, damit es für alle passt. 

5 zentrale Faktoren für die Flächengewinnung

  1. Erst die einfachen Flächen nutzen: Dächer, Parkplätze, Konversions- und Brachflächen bieten großes Potenzial.
  2. Mehrfachnutzung ermöglichen: Agri-PV, Floating-PV oder Kombinationen mit Grünanlagen schaffen Synergien.
  3. Landwirtschaftliche Böden schützen: Hochwertige Böden sollten nicht dauerhaft entzogen werden.
  4. Genehmigungen vereinfachen: Klare Zuständigkeiten und kooperative Verfahren sparen Zeit und Nerven.
  5. Wertschöpfung vor Ort halten: Beteiligungsmodelle stärken Akzeptanz und regionale Identität.

 

Die Vision: Energieversorgung gemeinsam gestalten

Zum Abschluss blickten die Teilnehmenden nach vorn. Die Vision für das Ruhrgebiet: eine resiliente, vollständig erneuerbare Energieversorgung, getragen von vielen Akteuren, mit fairen Lösungen für Stadt und Land – und mit dem Mut, Flächen neu zu denken.