Solarenergie im Fokus: Ziele setzen und weiterkommen
Was hat Solarenergie mit Grüner Infrastruktur zu tun? Eine ganze Menge. Denn wenn wir das Ruhrgebiet zur grünsten Industrieregion der Welt machen wollen, brauchen wir saubere, erneuerbare Energie. Genau darüber sprachen Nina Frense, Beigeordnete für den Bereich Umwelt und Grüne Infrastruktur beim Regionalverband Ruhr (RVR), und Christian Mildenberger, Geschäftsführer von NRW.Energy4Climate – mit klarem Blick auf Zahlen, Potenziale und die nächsten Schritte. Außerdem verlieh der Regionalverband Ruhr zum ersten Mal die Auszeichnung „Grüne Infrastruktur – Projekt des Jahres“.
Im Rahmen des Symposiums hat der Regionalverband Ruhr (RVR) die Zahlen zum Solarausbau im Ruhrgebiet für das Jahr 2025 veröffentlicht. Sie zeigen, dass die Region auf einem guten Weg ist:
- Rund 200.000 Solaranlagen hat das Ruhrgebiet insgesamt.
- Die Solaranlagen verteilen sich auf rund 137.400 Dachanlagen, 57 Freiflächenanlagen und 61.800 Balkonkraftwerke.
- Vier der fünf größten Solaranlagen wurden 2025 gebaut.
- Insgesamt liefern die Solaranlagen im Ruhrgebiet 2,3 Gigawatt Strom.
- Mit 93,5 Prozent und 2,1 Gigawatt haben die Dachanlagen den größten Anteil an der Stromproduktion durch Solaranlagen.
- 400 Megawatt wurden in den letzten Jahren durch Solaranlagen zugebaut.
- Erst 11 Prozent der Dächer und 1 Prozent der potenziell nutzbaren Freiflächen sind mit Photovoltaik belegt.
Das Fazit: Der Solarboom ist nicht vorbei. Aber die einfachen Flächen sind zum großen Teil genutzt. Jetzt geht es darum, den Ausbau weiter voranzutreiben. Wenn sich das Ruhrgebiet an den bundesweiten Zielen orientiert, müsste der Zubau bis 2030 bei400 Megawatt liegen. Um die Ziele bis 2045 zu erreichen, ist Ehrgeiz gefragt. Doch auch das ist machbar – vor allem deshalb, weil das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft ist. Entscheidend ist, neue Zielgruppen, neue Flächen und neue Modelle mitzudenken.
Kleine Anlagen, große Wirkung
Nina Frense und Christian Mildenberg waren sich einig: Ein überraschender Schlüssel zur Energiewende sind Balkon-Solaranlagen. Ihr Beitrag zur Gesamtleistung ist zwar vergleichsweise gering – ihre Wirkung aber enorm. Sie senken Hürden, machen das Thema greifbar und holen Menschen emotional ab. Wer einmal selbst Strom produziert, wird schnell zum Fan der Energiewende.
Dächer, Mehrfamilienhäuser und die Freifläche
Einfamilienhäuser haben in den letzten Jahren stark zum Ausbau beigetragen. Um weitere Potenziale nutzbar zu machen, gibt es eine neue Initiative von NRW.Energy4Climate und dem Wirtschaftsministerium: Mehr Solar auf Mehrfamilienhäusern, mit gezielter Unterstützung und Beratung.
Gleichzeitig rückt die Freiflächen-Photovoltaik stärker in den Fokus. Dabei geht es nicht um Konkurrenz zur Grünen Infrastruktur, sondern um intelligente Kombinationen. Flächen sind knapp – umso wichtiger ist es, sie mehrfach zu nutzen. Das Ruhrgebiet geht hier bewusst voran und setzt ambitionierte Ziele, trotz hoher Besiedlungsdichte.
Gemeinsam Tempo machen
Damit die Solarenergie ihr volles Potenzial entfalten kann, braucht es nicht nur Anlagen, sondern auch Netze. Der Appell war deutlich: Der Ausbau von Erzeugung und Netzinfrastruktur müssen Hand in Hand gehen. Nur so lassen sich Ziele erreichen.
Wie lässt sich der Wandel gut gestalten?
„Je weiter wir in die Zukunft schauen, desto weniger wissen wir, was da sein wird. Einige Pfade sind wahrscheinlicher als andere – oder auch wünschenswerter.“ Das betonte auch Jule Bosch, Zukunftsforscherin, Gründerin und Autorin. Sie zeigte, was wir tun können, um die Zukunft zu schaffen, auf die wir Lust haben:
- Neues starten: Wir müssen neue Impulse setzen, uns vernetzen und zusammenarbeiten. Zukunft entsteht durch die Synthese von Trend und Gegentrend. Wir müssen die verschiedenen Impulse aus unterschiedlichen Richtungen miteinander verbinden. So treiben wir Zukunft voran und erreichen irgendwann den Kipppunkt, ab dem die Dinge nicht mehr aufzuhalten sind.
- Altes aufhören: Das ist manchmal schwieriger, als etwas Neues zu starten. Der Grund: Gewohnte Pfade stabilisieren sich selbst. Wir müssen überlegen, wie wir mit Absicht Musterwechsel schaffen können. Systeme sind aus Menschen gemacht. Hier können wir ansetzen. Wir können Menschen überzeugen, fördern, für Leistungen belohnen, die richtigen Ziele setzen und Visionen formulieren. Dabei ist auch ein Perspektivwechsel wichtig: Es geht nicht darum, wie wir weniger schlecht, sondern wie wir richtig gut werden können.
And the winner is …
Zum ersten Mal hat der RVR beim Symposium die Auszeichnung „Grüne Infrastruktur – Projekt des Jahres“ verliehen. Preisträger ist der Solarpark Fröndenberg. Herzlichen Glückwunsch!
Was macht das Projekt so besonders?
Der Solarpark Fröndenberg zeigt, wie Energiewende und Flächenschutz zusammengehen: Auf dem Gelände einer ehemaligen Deponie erzeugt die Photovoltaikanlage klimafreundlichen Strom für etwa 6.000 Haushalte. Die rund 34.500 Solarmodule sind landschaftlich so integriert, dass natürliche Lebensräume erhalten bleiben.
Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie die grüne Transformation im Ruhrgebiet gelingen kann. Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, und Dr. Frank Dudda, Vorsitzender des Ruhrparlaments und Oberbürgermeister der Stadt Herne, überreichten daher den Preis für das „Projekt des Jahres“.
Impressionen der Preisverleihung
Drei Fragen an die Projektverantwortlichen
Über die Auszeichnung freuten sich Andreas Hellmich, Geschäftsführer der Solarpark Fröndenberg GmbH, Michael Freitag, Geschäftsführer der Stadtwerke Fröndenberg Wickede GmbH, und Norbert Enters, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Solarpark Fröndenberg GmbH. Sie nahmen den Preis vor Ort entgegen.
Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Andreas Hellmich: Das ist nicht nur eine Auszeichnung für uns. Das macht auch etwas mit allen Menschen, die das Projekt im Kreis Unna unterstützt haben. Wir sehen darin eine Bestätigung unserer Haltung, dass wir uns sehr genau Gedanken machen müssen, wie wir unsere Flächen verwenden.
Welche Rolle hat die Politik vor Ort bei der Umsetzung gespielt?
Norbert Enters: Wir haben heute mehrfach gehört, wie schwierig es ist, Projekte umzusetzen. Der Kreis Unna hat sich sehr frühzeitig der weltweiten Initiative angeschlossen, den Klimanotstand auszurufen. Wir haben ein Klimaschutzkonzept entwickelt. Wir arbeiten an einer Nachhaltigkeitsstrategie. Diese Beschlüsse sind einstimmig gefasst worden. Es gab keinen Widerspruch in der Politik, sondern eine breite Unterstützung. Bis auf eine Kleinigkeit: Man muss immer schauen, wie rentierlich ein Projekt ist, wenn man es auf den Weg bringt. Aber wir haben es gewollt. Wir wollten alle dieses Projekt mit der schwarzen Null. Und das haben wir geschafft.
Was planen Sie als nächstes?
Michael Freitag: Als Vertreter eines Energieversorgers sind wir immer auf der Suche nach solchen Projekten. Auch wir haben einen Veränderungsprozess vor uns. Wir halten immer die Augen und die Ohren offen.



