Umweltindikator // Photovoltaik im Ruhrgebiet

Photovoltaik im Ruhrgebiet

Die Photovoltaik (PV) war im Jahr 2022 mit einem Anteil von etwa 25 % am gesamten Stromertrag durch die Erneuerbaren Energien von 4 Terrawattstunden (TWh/a) einer der wichtigste erneuerbare Energieträger im Ruhrgebiet. Durch die hohen Ausbauzahlen bei verschiedenen Typen von PV-Anlagen dürfte sich dieser Anteil mittlerweile sogar noch erhöht haben. Für diesen Indikator soll die Entwicklung von drei verschiedenen Typen von PV-Anlagen untersucht werden: Dach-Photovoltaik (Dach-PV), Balkon-Photovoltaik (Balkon-PV) und Freiflächen-Photovoltaik (Freiflächen-PV). 

Bei den Dach-PV-Anlagen wird die Entwicklung des Anteils der tatsächlich für PV genutzten Dachflächen an den potenziell nutzbaren Dachflächen dargestellt. 
Dieser Anteil zeigt, wie stark das vorhandene Solarpotenzial auf den Dachflächen tatsächlich ausgeschöpft wird.

Beim Indikator Balkon-PV wird die Entwicklung der Anlagenzahl dargestellt, da hier keine Potenzialdaten vorliegen. Potenziell sind fast alle Balkone mit genügend Sonneneinstrahlung geeignet, die Anlagen liefern aber eher geringe Erträge. 

Der dritte Indikator zeigt die Entwicklung der Freiflächen-PV im Ruhrgebiet anhand der theoretischen Höchstleistung (kWp) die von diesen Anlagen insgesamt erbracht werden kann. Anders als bei den Dach-PV und Balkon-PV-Anlagen gibt es für den Bau von Freiflächen-PV zahlreiche Restriktionen. 

Das leistet der RVR

Mit Hilfe des Solardachkatasters des RVR können alle Bürger und Bürgerinnen des Ruhrgebiets die Eignung ihrer Dachflächen für eine Ausstattung mit PV-Anlagen überprüfen. Neben dem Solardachkataster unterstützt vor allem das Projekt Klimafit Ruhr des RVR interessierte Bürger und Unternehmen beim Vorhaben, Photovoltaik zu nutzen. Das Tool Energy FIS ist ein Geo-Fachinformationssystem zur Ermittlung von naturverträglichen Flächen für Freiflächen-PV innerhalb des Ruhrgebiets. Es steht allen Umwelt- und Planungsämtern der Region kostenlos zur Verfügung.

Anteil der für Photovoltaik genutzten Dachflächen an den potenziell nutzbaren Dachflächen

Der Anteil der tatsächlich genutzten Potenzialflächen für Photovoltaik-Anlagen auf Dachflächen im gesamten Ruhrgebiet betrug zum Ende des Jahres 2025 11,1 %. Dies ergibt sich aus einer potenziell nutzbaren Anzahl von 1.236.427 Dachflächen, von denen 137.377 für die Installation einer PV-Anlage genutzt wurden. Gegenüber dem Jahr 2021, als lediglich 57.269 (4,72 %) der verfügbaren Dachflächen genutzt wurden, war dies ein Anstieg um etwa 135 %. 

Als nutzbar werden diejenigen Dachflächen eingestuft, auf denen Solaranlagen eine bestimmte Leistung erbringen können (siehe Hintergrundinformationen). Der Anteil der Dach-PV-Anlagen an der gesamten installierten Bruttoleistung der Photovoltaik im Ruhrgebiet betrug 2025 93,5 % (2.182 MW). Im Jahr 2025 wurde durch Dach-PV eine Leistung von 2.181 kWp (Kilowattpeak) generiert. Wenn alle nutzbaren Dachflächen mit Solaranlagen ausgestattet werden würden, könnte eine Leistung von 21.558.727 kWp erreicht werden. Kilowattpeak ist die Maßeinheit, die von einer Solaranlage unter Standarttestbedingungen maximal erzeugt werden kann. Es ließen sich so ca. 5 Mio. t CO2 einsparen und es könnte ein bedeutender Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Deshalb ist ein weiterer Ausbau der Photovoltaik auf Dachflächen erstrebenswert. 

 

 

 

Nutzungsanteil möglicher Dach-PV Flächen in den einzelnen Kommunen 

Den insgesamt größten Anteil genutzten PV-Anlagenpotentials auf Dachflächen hat die Stadt Werne im Kreis Unna mit 20,4 %. Knapp dahinter folgen Haltern am See im Kreis Recklinghausen Hamminkeln im Kreis Wesel mit jeweils über 19 %.

Insgesamt ist der Nutzungsanteil bei den im zentralen Ruhrgebiet liegenden Großstädten Duisburg, Oberhausen, Essen, Gelsenkirchen und Herne vergleichsweise gering. Kommunen, die im ländlicher geprägten Außenbereich des Ruhrgebiets liegen, weisen dagegen eine deutlich höhere Ausnutzung des Potenzials für Solardachflächen von oft 15-20 % auf. Solche Unterschiede sind unter anderem dadurch bedingt, dass in Städten mit ausgeprägtem urbanen Kernbereich viele Mehrfamilienhäuser stehen. Sie befinden sich oft im Besitz mehrerer Parteien, die sich über die Installation einer PV-Anlage und die Kostenaufteilung einigen müssten. Der Anteil an Häusern im Besitz einzelner Familien ist in ländlicheren Regionen deutlich höher.

 

 

 

 

 

 

 

Balkon-PV im Ruhrgebiet von 2021-2025

Als Balkon-PV-Anlage, auch Stecksolargerät genannt, werden kleine Photovoltaikanlagen bezeichnet, die an einem sonnenreichen Teil des Balkons befestigt werden. Sie wandeln Sonnenlicht direkt in Strom um und speisen diesen direkt über eine Steckdose in den eigenen Haushalt ein. Die meisten Balkone mit genügend Sonneneinstrahlung sind hierfür geeignet. In der Abbildung ist zu erkennen, dass die Anzahl der installierten Balkon-PV-Anlagen sich von 2021 mit nur 1.112 erfassten Anlagen bis 2025 mit 61.842 erfassten Anlagen stark zugenommen hat. Es gab 2025 mehr als fünfzig Mal so viele erfasste Anlagen wie 2021. Die Dunkelziffer könnte allerdings noch deutlich höher liegen, da Balkon-PV Anlagen oft nicht registriert werden. Die hohe Anzahl ist erfreulich, die hohe Dunkelziffer allerdings nicht. Nicht registrierte Solaranlagen können eine erheblich destabilisierende Auswirkung auf das Stromnetz haben, da Verteilernetzbetreiber keine Kenntnis über deren Standort und Leistung haben. Allerdings muss hier erwähnt werden, dass die ins Netz eingespeisten Strommengen durch Balkon-PV sehr gering sind. Die bekannten Balkon-PV-Anlagen verfügten insgesamt im Jahr 2025 nur über eine installierte Bruttosolarleistung von 63 MW. Dies machte gerade einmal 2,6 % der Gesamt-Bruttosolarleistung von Photovoltaik von 2.332 MW in dem Jahr aus. Trotz ihrer eher geringen Erträge bieten Balkon-PV Anlagen ein gewisses Potenzial, da sie leicht zu installieren sind und auf viele Balkone passen.

 

 

 

 

Freiflächen-PV im Ruhrgebiet von 2023-2025

Freiflächen-PV-Anlagen nehmen im Gegensatz zu Dach- oder Balkon-PV Freiflächen in Anspruch. Sie sind oft auf Ackerflächen, auf Konversionsflächen (z. B. alte Militärflächen oder Deponien) und Randstreifen von Verkehrsnebenflächen zu finden. Am effektivsten sind sie, wenn sie sich auf einer südlichen Hanglage befinden. Sie unterliegen zahlreichen Restriktionen, da ihre Installation oft mit anderen Interessen, bspw. dem Naturschutz und der Landwirtschaft, kollidiert. Dies ist ein Grund, warum Freiflächen-PV-Anlagen im Ruhrgebiet im Jahr 2025 nur 4 % (88 MW) der gesamten Bruttosolarleistung der Photovoltaik erbrachten. Der Trend geht aber klar aufwärts. Allein von 2023 bis 2025 hat sich die installierte hypothetische Spitzenleistung in kWp von 32.754 auf 87.301 fast verdreifacht. Die Zahl der Anlagen hat sich in diesem Zeitraum von 31 auf 57 fast verdoppelt, während die Fläche, die von diesen Anlagen eingenommen wird sich von 2023 mit knapp 42 ha bis 2025 mit knapp 86 ha mehr als verdoppelt hat. 42 % der Anlagen stehen auf Landwirtschaftsflächen, 31 % auf Deponien, weitere Anlagen befinden sich auf Gewässern, auf Gewerbe- und Industrieflächen sowie sonstigen Flächen. Es wäre aus Sicht des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit wünschenswert, wenn der Ausbau den positiven Trend in den nächsten Jahren beibehält. Dabei ist unbedingt Rücksicht einen möglichst guten Kompromiss mit anderen Interessen, wie z. B. der Freizeit und Erholung, der Nahrungsmittelproduktion oder dem Naturschutz zu finden. Es gibt bereits einige Studien, die festgestellt haben, dass sich Biodiversitätsschutz und Freiflächen-PV nicht gegenseitig ausschließen müssen. Im Gegenteil können sich sogar sinnvolle Synergien entwickeln. So müssen beispielsweise Solarparks offengehalten werden, was seltene Offenladarten schützt und durch die Umzäunung der Module werden ebenfalls bestimmte bodenbrütende Arten geschützt. Durch den partiellen Schattenwurf können sonnige, halbschattige und schattige Lebensräume in unmittelbarer Nähe zueinander liegen. Außerdem wurden bereits Leitfäden für die naturverträgliche und biodiversitätsfördernde Anlage von Solarparks herausgegeben.

Hintergrundinformationen

Das Solardachkataster für die Metropole Ruhr wurde vom RVR entwickelt und ist ein Werkzeug, um die Eignung von Dachflächen für die Installation von PV-Anlagen zu prüfen. Mit Hilfe verschiedener geometrischer Raumdaten, wie einem Höhenmodell sowie einem Modell, welches die Daten einer Laserbefliegung beinhaltet, konnte für alle Dachflächen der Metropole Ruhr der Grad der Sonneneinstrahlung ermittelt werden, welcher die jeweiligen Dachflächen trifft. Neben der Form der Dachfläche, z. B. Flachdach oder Giebeldach und der Exposition zur Sonneneinstrahlung, gehen auch Effekte wie Beschattung durch Bäume oder andere Gebäude in das Modell mit ein. So können sehr genau für alle Dachflächen diejenigen Bereiche ermittelt werden, auf denen sich die Installation einer Solaranlage besonders lohnen würde. Dachflächen, auf denen Solaranlagen nicht mindestens 2 kWp oder 700kWh pro Jahr erreichen würden, werden als ungeeignet eingestuft, alle Dachflächen, auf denen Solaranlagen diese Werte überschreiten würden, werden als bedingt geeignet, geeignet oder sehr geeignet klassifiziert.

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Jakob Knipfer

Team 20-4 Umweltentwicklung und Monitoring
Referat 20 Klima und Umweltschutz

knipfer[at]rvr.ruhr
49 201 2069-393