Umweltindikator // Tagfaltermonitoring
Tagfaltermonitoring im Ruhrgebiet
Dieser Indikator stellt die regionalen Ergebnisse des Tagfalter-Monitorings Deutschland (TMD) des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz (GfS) im Ruhrgebiet dar. Bei diesem Projekt handelt es sich um ein Citizen-Science Projekt, bei dem Ehrenamtliche seit 2005 deutschlandweit nach festgelegter Methodik auf abgesteckten Laufstrecken (Transekte) Tagfalterbestände kartieren. Das Projekt ist Teil des europäischen Tagfalter-Monitorings an dem mittlerweile 30 Länder teilnehmen und dessen Ergebnisse in der European Butterfly Monitoring Scheme (eBMS) Datenbank zusammengeführt werden. Es kann sich bei den freiwilligen Teilnehmern sowohl um Laien handeln, die sich als Interessierte in die Thematik einarbeiten als auch um Experten, die Daten für das Projekt generieren, daneben aber auch eigene wissenschaftliche Interessen verfolgen. Im Jahr 2005 betrug die Anzahl aktiver Transekte deutschlandweit etwa 190, zwanzig Jahre später, im Jahr 2025, waren es bereits über 600. Insgesamt wurden im Laufe des Projekts ca. 1.620 Transekte festgelegt, von denen eine Vielzahl aber nicht mehr aktiv begangen werden. Das Projekt ist damit stark gewachsen und konnte sowohl für den Tagfalterschutz sensibilisieren als auch eine Vielzahl an wertvollen Daten über die Entwicklung der Tagfalterbestände in Deutschland generieren. Im Ruhrgebiet wurden bis 2025 insgesamt 28 Transekte angelegt, wovon 11-16 in den letzten fünf Jahren aktiv bearbeitet wurden. Die Datenlage ist damit zu gering, um statistisch belastbare Aussagen über die regionale Bestandsentwicklung im gesamten Ruhrgebiet zuzulassen. Die lokale Entwicklung auf den einzelnen Transekten kann allerdings nachverfolgt und die Gesamtentwicklung transektübergreifend dargestellt werden. Diese Ergebnisse liefern somit Anhaltspunkte für eine gesamtregionale Entwicklung. Um statistisch belastbare Aussagen über das gesamte Ruhrgebiet treffen zu können, müsste sich die Anzahl aktiver Transekte weiter erhöhen. Tagfalter reagieren sehr empfindlich auf verschiedene Umweltfaktoren und sind deshalb als Bioindikatoren geeignet. Zum Beispiel reagieren sie stark auf klimatische Begebenheiten, aber auch auf die bestehende Vegetation und vorhandene Futterpflanzen. Außerdem sind die Landnutzung und die Habitatqualität wichtige Faktoren. Intensive Flächennutzung (Düngung, Pflanzenschutzmittel, häufiges Mähen) zerstört oft ihre Lebensräume, extensive Nutzung und strukturelle Vielfalt bietet Lebensräume. Im Rahmen der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur, die 2024 verabschiedet wurde, wird der Index der Grünlandschmetterlinge als einer der Biodiversitätsindikatoren für landwirtschaftliche Ökosysteme vorgeschlagen. Dies zeigt die Wichtigkeit dieser Artengruppe für die naturschutzfachliche Planung und das Monitoring von Biodiversität.
Das leistet der RVR
Mit dem Modellprojekt zur Gewinnung von regionalem Saatgut fördert der RVR artenreiches Grünland. Für das Projekt wurden zwei Samenerntegeräte des Typs Wiesefix angeschafft. Mit diesen kann schonend artenreiches, wertvolles Saatgut heimischer Wiesen gewonnen, welches dann an passenden Stellen ausgebracht werden kann, um dort die Artenvielfalt zu steigern. Über die Landwirtschaftlichen Leitlinien wirkt der RVR direkt auf eine Vermehrung der ökologischen Landwirtschaftsflächen und eine Verbesserung der Artenvielfalt in der Landwirtschaft hin. Beide Projekte verbessern damit die Lebensbedingungen vieler Tagfalterarten. Auch die extensive Pflege vieler RVR eigener Wiesen fördert den Tagfalter-Schutz im Ruhrgebiet.
Mittlere Artenzahl in den Transekten
Der Graph der mittleren Artenzahl zeigt bis 2015 einen Anstieg der mittleren Anzahl auf rund 17 Arten pro Transekt. Danach fiel die mittlere Artenzahl mit jährlichen Schwankungen auf knapp 11 Arten im Jahr 2025 ab. 2024 war die mittlere Anzahl an Tagfalterarten pro Zählstrecke mit rund 8 Arten am geringsten<s>. </s>Es kann somit insgesamt ab 2015 ein Rückgang in der Artenzahl beobachtet werden. Bezogen auf die parallel abnehmenden Individuenzahlen (s. unten) ist dieses Muster in ganz Deutschland zu beobachten.
Mittlere Individuenzahl
Bei der mittleren Individuenzahl pro 1000 m ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. Der negative Trend könnte eine Ursache in den klimatisch teils extremen Jahren seit 2018 haben. Seitdem kam es zu einer Reihe sehr heißer und teils auch in der Niederschlagsverteilung extremer Jahre. Stärkere Populationsschwankungen sind bei Tagfaltern allerdings normal, da diese sehr empfindlich auf verschiedene Umweltfaktoren reagieren. Für statistisch belastbare Trendaussagen sind daher Untersuchungen über längere Zeiträume nötig. Außerdem müssten mehr Transekte im Ruhrgebiet regelmäßig begangen werden, um belastbarere Trendaussagen und Generalisierungen für die gesamte Region treffen zu können sowie dies deutschlandweit bereits teilweise möglich ist. Es wird interessant sein in der Zukunft zu beobachten, wie sich die Arten- und Individuenzahlen im Ruhrgebiet sowie deutschlandweit entwickeln werden und ob der negative Trend anhalten wird. Außerdem wird es interessant zu beobachten, ob die Zahl der aktiven Transekte im Ruhrgebiet zu- oder abnehmen wird.
Verteilung der Transekte im Ruhrgebiet
Dieser Teilindikator stellt die Veränderung der Klimaqualität in der Metropole Ruhr zwischen dem Jahr 2009 und dem Jahr 2024 auf Grundlage der FNK dar. Es wird dabei deutlich, dass es in allen Kommunen bis auf Voerde (+0,14) und Breckerfeld (+0,25) zu einer Verschlechterung der Klimaqualität kam. Besonders in den eher einwohnerreichen und teils dicht bebauten Gemeinden kam es oft zu einer Verschlechterung von mehr als -1 Punkt. Besonders fallen die Kommunen Oberhausen mit -2,02 und Holzwickede mit -2,13 auf.
Die Verschlechterungen dürften auf eine zunehmende Bebauung sowie einen Verlust von Grünflächen zurückzuführen sein. Der Erhalt und die Erweiterung von Grünflächen, besonders in urban geprägten Räumen, bleibt also weiterhin ein wichtiges Ziel des Umweltschutzes und der Klimaanpassung im Ruhrgebiet.
Hintergrundinformationen
Methode - Tagfalter-Monitoring
Die zentralen Bestandteile der Tagfalterkartierung sind die Transekte. Hierbei handelt es sich um nach bestimmten Kriterien festgelegte Ausschnitte einer Landschaft entlang einer geraden Linie. Ihre Gesamtlänge beträgt zwischen 50m und 750m. Bei der Kartierung wird jeder Abschnitt im langsamen Tempo abgegangen, und alle Schmetterlinge die sich ca. 2,5 m links und rechts des Weges sowie 5 m davor und darüber befinden werden kartiert. Die einheitliche Größe des Kartierkorridors sorgt für eine Vergleichbarkeit mit anderen Transekten. Die Begehungen finden von April bis September möglichst wöchentlich statt. Neue Kartierer können bei Bedarf Expertenhilfe in Anspruch nehmen, z.B. Termine im Gelände, bei denen das Vorgehen gezeigt wird. Mittlerweile gibt es auch eine Erfassungsapp, die es besonders Laien einfacher macht, die Bestimmung von Arten im Gelände abzusichern. Alles weitere zur Methodik der Tagfalter-Kartierung finden sie hier.
Datenquellen
Martin Musche; Elisabeth Kühn (UfZ) (2026): Tagfalter-Monitoring im Ruhrgebiet – zusammenfassende Statistik. Unveröffentlicht.
Gesellschaft für Schmetterlingsschutz: 20 Jahre Tagfalter-Monitoring in Deutschland. In: Oedippus Band 42 (2025).
Textquelle
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UfZ) (2026): Tagfalter-Monitoring.de
Gesellschaft für Schmetterlingsschutz: 20 Jahre Tagfalter-Monitoring in Deutschland. In: Oedippus Band 42 (2025).
Martin Musche; Elisabeth Kühn (UfZ) (2026): Tagfalter-Monitoring im Ruhrgebiet – zusammenfassende Statistik. Unveröffentlicht.
EU (2024): Verordnung zur Wiederherstellung der Natur und zur Veränderung der Verordnung (EU) 2022/896.
Bundesamt für Umwelt BAFU (2025): Tagfalter-Index - IDK-DB
NABU (2026): Tagfalter als Bioindikatoren -NABU Mecklenburg-Vorpommern
Weitere Umweltindikatoren
Jakob Knipfer
Team 20-4 Umweltentwicklung und Monitoring
Referat 20 Klima und Umweltschutz
knipfer[at]rvr.ruhr
49 201 2069-393




