Im Zentrum des Projekts steht die Schaffung einer gemeinwohlorientierten Neuaufteilung des Straßenraums im Kontext von Verkehrswende, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität. Der Neue Graben ist bereits heute eine lebendige Straße mit zahlreichen Bars, Cafés und Restaurants, die gerne von jungen Familien, Student*innen der FH Dortmund sowie Senior*innen besucht werden. Zudem verfügt der Straßenraum über einige großkronige Bäume.
Gleichermaßen ist die Straße stark überparkt, obwohl bereits 25% der Anwohner*innenschaft keinen PKW besitzen. Bei rund 140 legalen Parkplätzen, parken in den Abendstunden in diesem Abschnitt bis zu 220 Autos. Um die Lebensqualität zu verbessern soll der ruhende Verkehr deutlich reduziert werden.
In Zusammenarbeit mit einem Forscher*innenteam des Instituts Wuppertal im Projekt „Lebenswerte Straßen, Orte und Nachbarschaften“ wurde in einem partizipativen und kollaborativen Prozess ein Planungsentwurf für einen gleichermaßen ambitionierten wie tragfähigen Umbau entwickelt. Der Entwurf soll zentrale Weichen für die Verkehrswende stellen, den Raum an die Klimawandelfolgen anpassen und mehr Lebensqualität für die Anwohner*innenschaft bieten. Er soll als Blaupause für den notwendigen Umbau anderer Straßen im Kreuzviertel und in ganz Dortmund dienen.
Am 16. Februar 2022 wurde die Stadt Dortmund mit der Straße Neuer Graben zwischen Lindemannstraße und Hohe Straße beim Landeswettbewerb "Zukunft Stadtraum" des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen prämiert.
Anlass für die Auswahl der Straße Neuer Graben von Lindemannstraße bis Hohe Straße als Projektraum war, dass im gesamten Neuen Graben von Von-der-Recke-Straße bis Lindemannstraße (1. Bauabschnitt) sowie von der Lindemannstraße bis Hohe Straße (2. Bauabschnitt) sowie im dortigen Umfeld umfangreiche Kanalbaumaßnahmen stattfinden und in dem Zuge die Straßenoberfläche neu gestaltet werden kann.
Ziele
01 - Stadtquartiere mit klima- und gesundheitswirksamer Grüner Infrastruktur nachrüsten
03 - Blau-grüne Klimastraßenräume schaffen
06 - Dreifache Innenentwicklung in der Stadtentwicklung vorantreiben
09 - Grüne Infrastruktur koproduzieren und soziale Teilhabe fördern
10 - Ko-Habitation und Naturerleben in der Stadt fördern
18 - Grünkorridore der Verkehrstrassen und technischen Infrastrukturen multifunktional entwickeln
24 - Klimaangepasste Schwammstädte und Schwammlandschaften als zusammenhängendes System entwickeln
Aktivitäten & Meilensteine
- Das Forschungsergebnis wurde beim Landeswettbewerb „Zukunft Stadtraum“ ausgezeichnet. Infolge des Erfolgs stellte die Stadt Dortmund einen Städtebauförderantrag (jeweils in den Jahren 2023 und 2024), die beide aufgrund von anderen Projekten nicht bewilligt wurden.
- Daher wurde die Planung der Lph 1 bis 5 nach HOAI ohne einen bewilligten Förderzugang in 2024 an eine Bietergemeinschaft aus Ingenieurbüro und Landschaftsarchitekten vergeben. Die Finanzierung erfolgt aus dem Eigenanteil der Stadt Dortmund.
- Aufgrund von Verzögerungen bei den Kanalbauarbeiten, mussten die Planungen in 2025 pausieren. Zum jetzigen Zeitpunkt (1. Quartal 2026) wird die Vorplanung auf Grundlage der Forschungsergebnisse aktualisiert und erarbeitet.
Die Entwurfsplanung soll Anfang 2027 abgeschlossen und im Anschluss vom Rat der Stadt beschlossen werden. Auf Grundlage der Entwurfsplanung werden dann neue Förderzugänge gesucht. - Die Kanalerneuerung des 2. Bauabschnitts erfolgt voraussichtlich ab 2029. Im Anschluss daran wird die Straße umgestaltet.
Kooperation & Vernetzung
Das Wuppertal Institut beschäftigte sich im Jahr 2021 im Rahmen der Machbarkeitsstudie "Lebenswerte Straßen, Orte und Nachbarschaften (LesSON)- in Zusammenarbeit mit der Emschergenossenschaft/ Lippeverband und den beiden Städten Dortmund und Gelsenkirchen - mit der Frage, wie Straßen im Sinne der Klimaanpassung, Verkehrswende und Aufenthaltsqualität umgestaltet werden können. Dabei sollen die Funktionen der Verkehrsräume nicht aufgehoben, sondern neu konzipiert werden und auch als Treffpunkt und Aufenthaltsraum genutzt werden können. Die Studie verfolgte die beiden zentralen Ziele: Erstellung konkreter Planungsentwürfe für den Umbau von zwei Quartierstraßen im Ruhrgebiet; Erstellung eines Konzeptes zur wissenschaftlichen Begleitung, um Projekterkenntnisse für Wissenschaft und Praxis nutzbar zu machen.
Das Wuppertal Institut bzw. das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen beauftragte die MUST Städtebau GmbH mit einer umsetzungsorientierten Studie zu zwei exemplarischen Straßen des Ruhrgebietes, darunter der Neue Graben. Ihre Hauptaufgabe war die Erstellung freiraumplanerischer Entwürfe. Gemeinsam mit dem Wuppertal Institut wurden für den Neuen Graben drei Zukunftsvisionen entwickelt, die verschiedene Szenarien der Verkehrswende abbildeten.
Die Bewohner*innenschaft wurde im Sinne einer partizipativen und kollaborativen Entwicklung der Planung durch zwei Online-Umfragen, Telefoninterviews sowie einer Facebookgruppe regelmäßig eingebunden.(Aufgrund der Covid-19-Pandemie fanden die Beteiligungsformate online statt, unterstützt durch das UPlab). Die Rückmeldungen aus dem Beteiligungsprozess flossen in die Auswahl einer Vorzugsvariante ein, die als Entwurf für die Umsetzungsstudie LesSON II diente.
Lessons Learned
Beteiligung: Im August 2021 wurde ein Teil der Straße für zwei Wochen temporär umgestaltet, um den Mehrwert einer Straße ohne ruhenden Verkehr erlebbar zu machen. Dabei wurden viele Diskussionen mit der ansässigen Bevölkerung geführt und in die Entwürfe der Machbarkeitsstudie integriert.
Lageplan
Anschrift
Lebenswerter Neuer Graben
Neuer Graben 38
44139 Dortmund
Deutschland
Stand: März 2026
Übersicht
Projektleitung
Stadt Dortmund
Akteur:innen
Wuppertal Institut, Emschergenossenschaft/Lippeverband, MULNV, MUST Städtebau GmbH
Kosten
Stand 2022: 5.61 Millionen €
Projektgröße
ca. 550 m - Teilstück Neuer Graben zwischen Lindemannstraße und Hohe Straße
Laufzeit
Der Bearbeitungszeitraum der Machbarkeitsstudie mit den städtebaulichen Entwürfen war von 2020 bis 2021. Die Prämierung des Projektes beim Landeswettbewerb "Zukunft Stadtraum" war am 16. Februar 2022. Dennoch blieben zwei Städtebauförderanträge (2023, 2024) erfolglos. Daher erfolgt die Planung der Lph 1 bis 5 nach HOAI zurzeit auf eigene Kosten der Stadt Dortmund. Die Kanalerneuerung des 2. Bauabschnitts ist ab 2029 geplant, im Anschluss erfolgt die Straßenraumumgestaltung.







