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Kleine Wälder - große Wirkung

45356 Essen

Miniwälder sind kleine Wälder im öffentlichen Raum, die durch eine relativ geringe Flächeninanspruchnahme gekennzeichnet sind. Die Miniwälder der Stadt Essen wurden und werden auf einer Fläche von max. 400 m² mit einer Pflanzdichte von 3 Gehölzen/ m² angelegt. Aufgrund der hohen Pflanzdichte wächst die Vegetation durch Konkurrenz untereinander schnell zu einem dichten Gehölzbestand heran. Die Stadt Essen - Grün und Gruga - nutzt diese in Deutschland noch recht neue Methode in ihrem Maßnahmenportfolio zur Steigerung der Biodiversität und zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels. Dabei werden anthropogen überformte Standorte mit geringem ökologischen Wert weiterentwickelt und verbessert. Es wird auf Grundlage wissenschaftlicher Studien davon ausgegangen, dass sich diese Form des Waldökosystems besonders schnell positiv auf das Kleinklima (Kühlung der näheren Umgebung durch Schatten und höhere Luftfeuchtigkeit), die Artenvielfalt und die Bodeneigenschaften (Regenrückhaltung und Nährstoffhaushalt) auswirkt. Zur Überprüfung der These im urbanen Raum mit belasteten Böden hat sich Grün und Gruga mit der Zukunftsinitiative der Emschergenossenschaft (EGLV - Zukunftsinitiative Klima.Werk) und weiteren Kommunen (aktuell 16 Mitglieder) zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, um eine einheitliche Definition zu erarbeiten und die Standorte untereinander vergleichbar zu machen. Durch den übergreifenden Austausch können Miniwald-Standorte unter Beachtung der Themenbereiche Klimaanpassung, Biodiversität und Partizipation der Bevölkerung gemeinsam bestmöglich (weiter-)entwickelt werden. Zudem erfolgt mittel einer eDNA-Methode ein Monitoring der Universität Duisburg-Essen zur Überprüfung der Artenvielfalt bezogen auf die  Entwicklungsstadien der Miniwälder.

Die Miniwälder entstehen zudem in Quartieren mit sozialem und/oder demographischem Ungleichgewicht. Die Miniwälder sind dabei Kern eines neuen Quartiertreffpunkts und werden von der Bevölkerung als neues ästhetisches Element und Umweltlernort wahrgenommen. Eine das Projekt erläuternde Beschilderung schafft weitere Transparenz.

Die Wälder sind über das Arbeitsmarktprojekt "Essen.Neue Wege zum Wasser (E.NWzW) angelegt worden und werden von umliegenden Schulen und Kindergärten sowie im Zuge des Quartiersmanagements als außerschulischer Lernstandort genutzt.

  • Bunter Herbstwald auf der Bislicher Insel
    Bunter Herbstwald auf der Bislicher Insel

Ziel ist es, unter Berücksichtigung der drei oben genannten Themenbereiche eine Klimaanpassungsmaßnahme mit ganzheitlichem Lösungsansatz zu konzipieren. Als Klimaxstadium (Endstadium der Waldentwicklung) werden sich voraussichtlich letztlich je nach ausgehender Flächengröße 4-10 Großbäume und Sträucher einstellen. Entscheidend für die dauerhafte Etablierung von Miniwäldern als Begrünungsmaßnahme in der Stadt Essen werden die wissenschaftlichen Aussagen zum Mehrwert bezüglich Artenvielfalt, Klimaresilienz und die Akzeptanz durch die Bevölkerung während der Entwicklungsphase des Waldes sein, denn diese unterscheidet sich deutlich von den gängigen Anpflanzungen in unseren Grünanlagen. 

  • Netzwerkbildung innerstädtisch und mit benachbarten Kommunen in Kooperation mit der Zukunftsinitiative Klima.Werk (2022 / 2023)
  • Standortsuche unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer und zeitlicher Komponente (1. Quartal 2022)
  • Grundlagenermittlung für die Standorte Haus-Berge-Park und Kapitelwiese (2. Halbjahr 2022)
  • Planung der Umsetzung in Kooperation mit E.NWzW und dem Quartiersmanagement Bochold (Januar / Februar 2023)
  • 1. Meilenstein: Vorabinformationsveranstaltung von lokalen Arbeitsgruppen und Bürgerinitiativen als Vor-Ort-Event mit Bildungsaspekt für Bürger*innen mit Pressebegleitung (Standort Haus-Berge-Park, Januar 2023)
  • Vorbereitende Arbeiten: Bodenbearbeitung, Pflanzfläche herrichten (Februar / März 2023)
  • 2. Meilenstein: Gemeinsame Pflanzaktion mit Teilnahme einer Schule, einer Kita, Anwohnern, interessierten Bürger*innen, dem Quartiersmanagement Bochold, Mitarbeitern von E.NWzW und Grün und Gruga mit Pressebegleitung (Standort Haus-Berge-Park, März 2023)
  • Fertigstellungsarbeiten durch E.NWzW: Einzäunung, Mulchen, Aufstellung von Bänken und einer Infotafel (2. Quartal 2023)
  • 3. Meilenstein: Fertigstellung der Miniwälder Haus-Berge-Park und Kapitelwiese (Juli 2023)
  • Umweltbildung organisiert durch das Quartiersmanagement Bochold (Standort Haus-Berge-Park, laufend seit Fertigstellung Juli 2023).
  • Monitoring durch die Universität Duisburg-Essen (2024 / 2025)
     

Die Herstellung sowie die anschließende laufende Pflege und Unterhaltung der beiden Miniwälder werden durch das Beschäftigungsprogramm Essen.Neue Wege zum Wasser (E.NWzW) im Rahmen der bestehenden Kooperation zwischen der Stadt Essen und der Essener Arbeit-Beschäftigungsgesellschaft mbH (EABG) durchgeführt.

Entscheidend für die dauerhafte Etablierung von Miniwäldern als Aufwertung und Weiterentwicklung anthropogen überprägter Standorte in der Stadt werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Mehrwert bezüglich der Biodiversität und der Akzeptanz durch die Bevölkerung während der Entwicklungsphase des Waldes sein. Den Aspekt der Partizipation von Bürger*innen hat die Technische Universität Dortmund durch die Fakultät für Raumplanung wissenschaftlich bewertet. Die Universität Essen untersucht seit 2024 die floristische sowie faunistische Entwicklung von zwei Pilotstandorten.