Das ca. 20 ha große Plangebiet am Südufer des Hengsteysees befindet sich im Stadtteil Boele, im Norden von Hagen, und stellt einen einzigartigen Naturraum für Mensch und Natur dar. Gekennzeichnet ist die ehemalige Rangierbahnhofsfläche durch Sukzession auf dem altem Gleisschotter, mit informellen Wegeführungen, Altlasten und baulichen Überbleibseln aus der damaligen Nutzung zu Bahnzwecken.
Als regional bedeutsamer Freizeit- und Naherholungsraum hatte der Hengsteysee schon in den Vorkriegsjahren eine wichtige Bedeutung als Ausflugsziel und Badestandort. Dieses Potential wieder neu auszuschöpfen und aus der Industriebrache einen qualitätsvollen Erholungs- und Naturraum für unterschiedliche Nutzergruppen zu schaffen, der zukunftsfähig an die Anforderungen von morgen angepasst ist, bilden das Ziel in dem Projekt.
Insgesamt sind für das ca. 20 ha große Plangebiet drei Nutzungskernzonen im SeePark entwickelt worden, die durch intensiver geplante Aktivitätsbereiche gekennzeichnet sind. Hier sind Aufenthaltsflächen, Spiel- und Sportmöglichkeiten sowie niederschwellige Gastronomieangebote vorgesehen. Der Großteil des umgebenden Landschaftsraums soll zu einem ökologisch wertvollen Naturraum entwickelt werden, der lediglich in vorgesehenen Bereichen mithilfe von Wegeverbindungen und gezielter Besucherlenkung behutsam erschlossen und erlebbar gemacht wird. Durch das Flächenrecycling der Industriebrache und den rücksichtsvollen Umgang mit dem Bestand kann so auf einem ehemaligen größtenteils ungenutzten Industriestandort ein neuer Freizeit- und Erholungsraum geschaffen werden, der insbesondere in Hitzeperioden uneingeschränkt nutzbar bleibt. Durch Umweltbildung und pädagogische Konzepte soll eine Sensibilisierung für den Umgang mit dem Klimawandel erfolgen. Im SeePark wird den Besuchern das Ruhrtal mit seinem industriekulturellem Erbe und der einzigartige Natur- und Landschaftsraum in Zeiten des Klimawandels erlebbar gemacht. Erlebnis- und Lehrpfade - eingebettet in einen innovativen Naturraum - sollen zu einer neuen Denkweise in Bezug auf den Klimawandel und den Auswirkungen auf Flora, Fauna, Mensch und Infrastruktur anregen und so zur Erreichung der bundesweiten Klimaschutzziele beitragen. Das gesamte Areal soll dem Thema Naturerlebnis und Umweltbildung mit dem Schwerpunkt Klimawandel und Klimaanpassung dienen. Vor Ort werden den Besuchern im Kontext zum SeePark Beispiele für aktiven Klimaschutz aufgezeigt, die zum Nachahmen anregen sollen. Der Wandel der Industriekultur wird hier in Hagen vergegenwärtigt und mit dem Gesamtprojekt gezeigt, wie graue Infrastruktur in einen grünblauen Naherholungsraum umgewandelt werden kann.
Ziele
- Freiraumplanerische Entwicklung des ehemaligen Rangierbahnhofes Hengstey
- Verbesserung der Artenvielfalt im Naturraum Hengsteysee durch die Schaffung neuer Biotope
- Stärkung des Biotopverbundes und eine Entwicklung der Fläche im Einklang mit den Vorgaben des Landschaftsschutzes
- Erfahrbarmachen der Bedeutung von Industriekultur und -natur für die Menschen vor Ort
- Umsetzung von Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel
- Schaffung eines zukunftsfähigen und klimaresilienten Freizeit- und Erlebnisraums
Handlungsziele der Strategie Grüne Infrastruktur
- 04 Parkanlagen fit und attraktiv für die Zukunft machen
- 05 Grüne Infrastruktur zum Sport-, Spiel und Bewegungsraum entwickeln
- 08 Brachflächenpotenziale ausschöpfen und Flächenpools entwickeln
- 10 Ko-Habitation und Naturerleben in der Stadt fördern
- 11 Industrienatur integriert entwickeln und identitätsstiftenden Charakter stärken
- 12 Mehr Naturerfahrungsräume schaffen
- 15 Wertvolle Lebensräume durch Biotopverbundplanung sichern und vernetzen
- 20 Böden vitalisieren und ihre vielfältigen Funktionen stärken
- 25 Mit Grüner Infrastruktur aktive Mobilität fördern
- 27 Umweltbildungsangebote ausweiten, vielseitig und inklusiv gestalten
Aktivitäten & Meilensteine
- Bereits seit Jahrzehnten gab es die Idee einer Aufwertung des industriegeprägten Landschaftraumes am Hengsteysee.
- Die erste Hürde bestand darin, dass die Fläche nicht in städtischer Hand und ein Teil der Fläche noch zu Bahnzwecken gewidmet war. Im Jahr 2018 konnte die Fläche durch den RVR erworben und der Stadt Hagen für die Entwicklung eines Freizeit- und Naherholungsgebietes überlassen werden.
- Der nächste Meilenstein war die Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen durch die Entwidmung der Bahnfläche im Jahr 2020.
- Die Aufstellung einer Rahmenplanung in 2021 bündelte die ersten Ideen.
- Im Jahr 2023 erfolgte der freiraumplanerische Realisierungswettbewerb (nach RPW 2013).
- Ende 2023 erfolgte die Zusage des AAV die Altlastensanierung durchzuführen und zu Kofinanzieren.
- Seit 2024 erfolgen die Schaffung von Planungsrecht in einem Bebauungsplanverfahren, die Entwurfsplanung für den SeePark sowie die Änderung des Flächennutzungsplanes (FNP).
- Ab 2026: Geplant ist die phasenweise Umsetzung des SeePark-Konzeptes (abhängig von Förderzusagen).
Kooperation & Vernetzung
- Durch die interkommunale Zusammenarbeit im Projekt SeePark werden gleichzeitig stadtübergreifende Inhalte entwickelt, die den gesamten Destinationsraum Hengsteysee attraktivieren. Dafür schlossen sich fünf Kommunen an der Ruhr zur „Kooperationsgemeinschaft Mittleren Ruhrtal“ zusammen. Diese Zusammenarbeit dient als wichtige Basis für die Gesamtentwicklung der Region, um durch die Strahlkraft diverser Projekte einen regionalen Mehrwert zu schaffen. Auch soziale Gemeinschaften (wie Vereine, Privatpersonen) vor Ort werden intensiv in die Planung und in die zukünftige Gestaltung des SeeParks miteinbezogen.
- Das Thema Inklusion und die behindertengerechte Ausgestaltung der Inhalte wird durch die intensive Einbindung in alle Planungsschritte gewährleistet. Eine barrierefreie Ausgestaltung der Maßnahmen ist eine weitere wichtige Zielvorgabe für das SeePark-Konzept.
- Die Planung wurde im Rahmen eines freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbes mit 15 Teilnehmenden internationalen Büros erarbeitet. Auf diese Weise wurde die bestmögliche Qualität der Planung in Hinblick auf Funktion, Wirtschaftlichkeit und Gestaltung erreicht. Die fundierte Beurteilung im Wettbewerbsverfahren erfolgte durch ein Preisgericht aus Fachleuten und lokalen Akteuren.
Lessons Learned
- Die Einrichtung einer funktionalen Projektgruppe ist essentiell in der Umsetzung eines derartigen Projektes.
- Auslobung eines freiraumplanerischen Realisierungs-Wettbewerbes bildet eine große Chance für ein großes Angebot an kreativen Ideen sowie die weitere Konkretisierung des Projektes.
Lageplan
Anschrift
SeePark Hengstey
Seestraße
58089 Hagen
Deutschland
Übersicht
Projektleitung
Kooperationsgemeinschaft Mittleres Ruhrtal
Akteur:innen
Stadt Hagen; Vereine; Privatpersonen
Kosten
Einmalig: ca. 10 Mio. €
Laufend: Kosten für Pflege und Instandhaltung
Finanzierung
Die Umsetzung ist abhängig von Fördermitteln
Projektgröße
20 ha
Laufzeit
Fortlaufend seit 2023. Sukzessive Umsetzung bis zur IGA 2027 und darüber hinaus












