In der Vergangenheit wurden Städte so geplant, dass anfallendes Regenwasser direkt in die Kanalisation geleitet und in Mischwasserkanälen abtransportiert wurde. Heute ist klar: Nachhaltige Stadtentwicklung braucht einen anderen Ansatz. Vielerorts gibt es bereits Trennsysteme für Schmutz- und Regenwasser, doch das allein reicht nicht aus. Das Regenwasser sollte möglichst dort versickern, wo es anfällt, um in den natürlichen Wasserkreislauf zurückzukehren. Dieser Ansatz, bekannt als Schwammstadt-Konzept, bietet nicht nur ökologische Vorteile, sondern verbessert auch das Mikroklima und die Lebensqualität vor Ort. Angesichts des Klimawandels mit zunehmenden Starkregenereignissen, Trockenperioden und Hitzewellen ist diese Bauweise aktueller denn je. Jede versiegelte Fläche verschärft die Problematik: Wasser kann nicht versickern, Hitze staut sich.
Die Stadt Witten verfolgt das Ziel, Schritt für Schritt zur Schwammstadt zu werden. Im Juni 2025 erhielt das Ingenieurbüro Björnsen Beratende Ingenieure (BCE) den Auftrag, geeignete Flächen in Witten für Schwammstadt-Maßnahmen zu identifizieren und planerisch zu entwickeln. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Versickerungsfähigkeit der Böden, die im Ruhrgebiet aufgrund ihrer Zusammensetzung oft eingeschränkt ist. BCE wird einen Gestaltungsraum definieren, in dem Schwammstadt-Maßnahmen gezielt umgesetzt werden können. Für diesen Raum werden Maßnahmensteckbriefe entwickelt, die konkrete Projekte beschreiben. Aus diesen wählt die Stadt ämterübergreifend sieben Starterprojekte aus, mit denen die Umsetzung beginnt.
Das Ziel: Klimaanpassung im Gestaltungsraum sicht- und spürbar zu machen, Projekte zukünftig integral und klimaangepasst zu denken sowie die Lebensqualität für alle Bürgerinnen und Bürgern in Witten nachhaltig zu steigern.
Die Herausforderungen des Klimawandels sind in Städten besonders deutlich spürbar: Überflutungen durch Starkregen, Hitzeinseln in dicht bebauten Quartieren, zunehmende Belastung für Gesundheit und Infrastruktur. Mehr Grünflächen, gezielte Entsiegelung und eine bessere Wasserrückhaltung sind Schlüssel, um die Resilienz der Stadt zu stärken. Mit diesem Projekt leistet Witten einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung, schafft spürbare Verbesserungen für das Stadtklima und setzt ein sichtbares Zeichen für eine zukunftsfähige, lebenswerte Stadtgestaltung.
Ziele
Das Projekt Witten wird Schwammstadt trägt zur Umsetzung folgender Handlungsziele der Strategie Grüne Infrastruktur bei:
01 Nachrüstung von Stadtquartieren mit klima- und gesundheitswirksamer Grüner Infrastruktur
02 Integration von Dach- und Fassadenbegrünung in die Maßnahmenplanung
03 Entwicklung blau-grüner Klimastraßenräume
09 Förderung sozialer Teilhabe durch ämterübergreifende Zusammenarbeit und Koproduktion
20 Verbesserung der Bodenfunktionen durch Entsiegelung und naturnahe Gestaltung
24 Beitrag zur Entwicklung klimaangepasster Schwammstädte als Teil eines regionalen Gesamtsystems
Damit unterstützt das Projekt die Klimaanpassung, steigert die Resilienz gegenüber Extremwetterereignissen und erhöht die Lebensqualität in Witten, im Sinne der Vision einer grünen Industrieregion Europas.
Aktivitäten & Meilensteine
April 2022: Veröffentlichung der Förderrichtlinie
August 2023: Förderantrag gestellt
September 2024: Ausschreibung durchgeführt
Juni 2025: Vergabe an BCE
Juli 2025: Projektstart
Oktober 2026: Abschluss der Konzeptstudien
2027 bis 2030: Umsetzung der Maßnahmen
Diese Phasen markieren den Weg von der Idee über die Förderbeantragung und Planung bis hin zur langfristigen Umsetzung der Schwammstadt-Maßnahmen.
Die spannende Phase beginnt jetzt: BCE startet mit der Analyse potenzieller Flächen im Stadtgebiet und der gemeinsamen Erarbeitung konkreter Maßnahmen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage der Versickerung: Ob, wie und in welchem Umfang kann Wasser vor Ort zurückgehalten werden?
Da die Studien durch die KRiS-Landesförderung teilfinanziert sind, müssen spezifische Fördervorgaben eingehalten werden. Zudem verfolgt das Projekt das Ziel, diese Studie und die Zusammenarbeit als Blaupause für zukünftige Vorhaben zu etablieren. Ein wesentlicher Meilenstein wird sein, ob und wie Projekte künftig auf dieser Grundlage weiterentwickelt werden.
Kooperation & Vernetzung
Das Projekt lebt von einer engen ämterübergreifenden Zusammenarbeit innerhalb der Stadtverwaltung, der fachlichen Expertise externer Partner sowie der Unterstützung regionaler Wasserwirtschaftsakteure.
In der städtischen Steuerungsrunde sind vertreten: Planungsamt, Koordinierungsstelle Stadterneuerung und Klimaschutz, Entwässerung Stadt Witten, Tiefbauamt, Gebäudewirtschaft und Liegenschaften, Gebäudemanagement sowie das beauftragte Ingenieurbüro Björnsen Beratende Ingenieure (BCE). Bedarfsgerecht werden weitere Fachbereiche einbezogen, z. B. Umwelt, Grünflächen oder Kinder- und Jugend. Jedes Amt bringt spezifisches Wissen und Handlungskompetenzen ein – von der strategischen Planung über die technische Umsetzung bis zur langfristigen Betreuung der Maßnahmen. BCE übernimmt die Rolle des Fachplaners und Impulsgebers für die Entwicklung des Gestaltungsraums und der Maßnahmensteckbriefe.
Die Emschergenossenschaft und der Ruhrverband sind wichtige Partner in Sachen KRiS-Landesförderung (Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft).
Neben Verwaltung und Fachplanern werden externe Akteure wie Wohnungsgesellschaften, Gewerbebetriebe, private Eigentümerinnen sowie die Quartiersbüros aus den ISEK-Gebieten Innenstadt und Heven-Ost-Crengeldanz eingebunden. Die Quartiersbüros fungieren als Multiplikatoren, da sie über etablierte Netzwerke zu Anwohnerinnen, Vereinen und Initiativen verfügen.
Zur gezielten Aktivierung wird von BCE ein Kommunikationskonzept erarbeitet, das relevante Akteure, Stakeholder und Fachbereiche identifiziert, geeignete Ansprachewege definiert und so die Grundlage für eine effektive Beteiligung und Ko-Produktion der Maßnahmen schafft.
Lessons Learned
Das Projekt befindet sich zwar noch in der Anfangsphase, doch erste wichtige Erkenntnisse zeichnen sich bereits ab. Entscheidend für den bisherigen Erfolg ist die intensive Vorarbeit zur ämterübergreifenden Zusammenarbeit; Ganz nach dem Prinzip: Es geht nicht darum, neue Projekte zu schaffen, sondern die ohnehin anstehenden Bauvorhaben und Maßnahmen klimaangepasst, zukunftsfähig und ganzheitlich zu gestalten.
Diese strategische Ausrichtung fördert die Akzeptanz innerhalb der Verwaltung und schafft Synergien, die Effizienz und Nachhaltigkeit steigern.
Wir gehen davon aus, dass die systematische Identifikation von Potenzialflächen und die konsequente Fokussierung auf Versickerungsfähigkeit als Kernfrage zeigen werden, wie wichtig technische Machbarkeit und naturnahe Lösungsansätze sind und wie die Umsetzung dieser funktionieren kann.
Die verbindlichen Fördervorgaben durch die KRiS-Landesförderung unterstützen die Zielorientierung, erfordern aber auch eine klare Projektstruktur und transparente Kommunikation.
Zudem steht noch eine frühe und intensive Akteurs- und Bürgerbeteiligung an, um Akzeptanz und soziale Teilhabe weiter zu stärken.
Lageplan
Anschrift
Witten wird Schwammstadt
Marktstraße 16
58452 Witten
Deutschland
Stand: August 2025
Übersicht
Projektleitung
Koordinierungsstelle Stadterneuerung und Klimaschutz - Stadt Witten
Akteur:innen
Stadt Witten; EGLV; Ruhrverband; Wohnungsgesellschaften; Gewerbebetriebe; Privatleute
Kosten
Einmalig: rd. 400.000 €
Die Kosten der Maßnahmenumsetzung sind aktuell noch nicht zu beziffern.
Projektgröße
Gesamtstädtisch
Laufzeit
08/2023-2030










